Fluc-tuierende Räume

8. Jänner 2007, 16:40
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Das Szene-Lokal Fluc wurde am Freitag um die "Wanne" erweitert

Wien – Absperrungen, Kräne und Baucontainer sind derzeit die dominierenden Elemente auf der Riesenbaustelle Praterstern. Inmitten des Asphaltdschungels steht seit dem Frühjahr ein etwas anderes Container-Konstrukt: Das Fluc (Abkürzung für „Fluctuated Rooms“), ein aus 14 weiß und hellblau gestrichenen Containern und Sperrholzplatten zusammengestöpseltes Veranstaltungslokal, das sich dem Prinzip der ständigen Veränderung verschrieben hat. Im Sinne der bewussten Unvollendetheit wurde am Freitag der zweite Teil des Lokals, ein unterirdischer Konzertsaal namens „Fluc-Wanne“, eröffnet. Dieser wurde in die einstige Fußgeherunterführung zwischen Bahnhof und Ausstellungsstraße quasi eingelassen und bietet auf 400 Quadratmetern Raum für Livekonzerte, Ausstellungen und Veranstaltungen jeder Art – frei nach dem bewährten Fluc-Konzept, ein heterogenes, szeneübergreifendes Publikum mit vornehmlich elektronischer Musik und experimenteller Kunst zu versorgen, wie Betreiber Martin Wagner ankündigte.

Unterirdische Bühne

Dazu wurden 80 Tonnen Stahlbeton aus der Passage gehievt, um Licht und Luft für einen acht Meter hohen Bühnenraum inklusive Backstagebereich zu schaffen. Die längst stillgelegte WC-Anlage wurde zur Bar, der Treppenaufgang fungiert als Sitz- und Stehtribüne. Ein Panoramafenster ermöglicht nicht nur Veranstaltungen bei Tageslicht, sondern auch einen Blick auf das Riesenrad.

Die Unfertigkeit, die der nackte Beton des früheren Fußgängertunnels ausstrahlt, ist beabsichtigt: Denn auch wenn es in den nächsten Monaten noch einige Adaptionen, wie eine Optimierung der Akustik, geben wird, soll laut Architekt Klaus Sattmann die graffitibesprayte Patina erhalten bleiben: „Wir stehen mitten in der Stadt.“ Der Umbau wurde zu einem Großteil im Eigenbau von einem losen Kollektiv aus Architekt, Betreibern und jeder Menge freiwilliger Helfer durchgeführt. Die Gesamtkosten von 650.000 Euro für beide Ebenen wurden zu je einem Drittel von den Fluc-Betreibern, der Stadt und Sponsoren aufgebracht.

Neue Art der Partizipation

„Die Fluc-Community hat rigorose Arbeit geleistet“, schildert Sattmann. „Das Projekt soll beispielgebend sein für eine neue Art, Partizipation anzugehen.“ Deshalb ist ein ständiges Fluktuieren der räumlichen Gestaltung durch Eingriffe des Publikums und der Benutzer weiterhin erwünscht. Einzig der jetzige Standort des 2002 gegründeten Fluc, das bis 2005 in einem für den Abriss bestimmten Bahnhofsgebäude untergebracht war, ist fix. Den ersten Abend in der neuen Wanne bestritt unter dem Motto „ladies first“ unter anderem die Band Gustav. (Karin Krichmayr, DER STAMDARD Printausgabe, 28./29.10.2006)

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Fluc
  • Die Fluc-Wanne in einer einstigen Unterführung: Die Treppe wurde zur Tribüne, die WC-Anlage zur Bar
    foto: standard/urban

    Die Fluc-Wanne in einer einstigen Unterführung: Die Treppe wurde zur Tribüne, die WC-Anlage zur Bar

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