Predigt aus der Kanzel

Redaktion, 28. Oktober 2006, 14:00
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    foto: daneshgar architects

    Die Basis ist ein gestückeltes Werk aus drei Zinshäusern, hoch oben wird Nachhaltigkeit gepredigt.

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    foto: daneshgar architects

    Innen ist man verzückt vor lauter Grün! Lediglich das gelbe Band mäandert als Aha-Effekt über die Feuermauer. Warum auch nicht.

    Projektinfo
    Architekt: Armin Mohsen Daneshgar
    Obere Amtshausgasse 20-24/2, 1050 Wien
    Tel.: (01) 545 73 86
    Fax: (01) 545 73 86
    office@daneshgar.net
    www.daneshgar.net

Nachhaltiges Bauen in Verbindung mit feschem Design wertet ganze Stadtviertel auf. Armin Daneshgars Wohnbau in Wien-Margareten entpuppt sich als städtisches Dorado

Nachhaltiges Bauen in Verbindung mit feschem Design wertet in Folge ganze Stadtviertel auf. Armin Daneshgars Wohnbau in Wien-Margareten - nominiert für den Österreichischen Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit - entpuppt sich als städtisches Dorado.

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"Das Erdgeschoß eines Hauses ist immer die Kommunikationszone, in der man mit anderen zusammen sein kann", erklärt Architekt Armin Mohsen Daneshgar. "Unter dem Dach zu leben bedeutet wiederum, dem Himmel und zugleich auch der Freiheit einen Schritt näher zu sein." Der Wohnbau in der Oberen Amtshausgasse - bei den Hausbewohnern kurz OAG genannt - liegt in einem statistisch betrachtet nicht uninteressanten Teil Wiens. Das Grätzel um den Siebenbrunnenplatz hat einen sehr hohen Ausländeranteil und weist beinahe die größte Dichte an Substandardwohnungen in ganz Wien auf, bietet aufgrund seiner vielen begrünten Freiflächen aber dennoch keine allzu schlechte Lebensqualität.

"Alles in allem waren hier für unser Bauvorhaben nicht unbedingt die besten Voraussetzungen zu finden", sagt Hans Jörg Ulreich, Bauherr des neuen Wohnblocks. Aus drei teilweise desolaten Zinshäusern aus dem Jahre 1889 sollte ein einziges Wohngebäude mit einem Zubau und einem Dachausbau entstehen - eine umfangreiche, keine leichte Aufgabe jedenfalls. Das Resultat dieses städtischen Wohnhauses sind 50 Wohneinheiten mit 50 zufriedenen Parteien. "Die Bewohner scheinen happy zu sein, anders kann ich mir den Babyboom seit der Hausbeziehung im Herbst letzten Jahres nicht erklären", witzelt der aus Persien stammende Daneshgar.

Der Dachaufbau, der in einem kräftigen Safrangelb heraussticht, ist das unübersehbare Haupterkennungsmerkmal des Gebäudes. Wie eine Kanzel sitzt das gelbe Ding da oben und behält das Grätzl mit Argusaugen im Blickfeld. Die Nachbarn fühlen sich bereits ertappt und sind ihrerseits zu Taten geschritten. Bauherr Jörg Ulreich: "Um unser Haus gibt es rund 30 ähnliche Bauvorhaben. Unser Rezept, Sanierungen durchzuführen, macht sich also bezahlt."

Rezept - das bedeutet im Falle dieses Gebäudes in erster Linie die Einbeziehung von Energie- und Kostenverbrauch sowie die Schaffung von möglichst vielen Grünflächen. Der coolen Außenhülle des Hauses sieht man sein üppig wucherndes Innenleben gar nicht an. "Wir haben in unserem Innenhof ein etwas anderes Mikroklima als in der restlichen Umgebung", vernimmt man vom Bauträger Ulreich. Verantwortlich dafür sind der reichlich bepflanzte Hof und die unzähligen Blumentröge, die in allen möglichen Größen an den Laubengängen und an der Feuermauer hängen und fast schon an die Romantik des Biedermeiers anknüpfen.

Ausgezeichnetes Haus

Ein überzeugendes Konzept, schließlich wurde der Wohnbau OAG für den heurigen Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit nominiert. "Energie zu sparen und noch dazu über den Dächern Wiens zu wohnen gibt einfach ein gutes Lebensgefühl", ist sich Daneshgar sicher. Zu Letzterem ist korrigierend zu ergänzen, dass das Privileg des Wohnens in 27 Metern Höhe dennoch nur den Wenigsten vorbehalten ist.

Der Dachgeschoßausbau schaffte es, sich innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte in eine wichtige berufliche Sparte des Baugewerbes zu entwickeln. Das ist nicht weiter verwunderlich, bieten doch die Häuser aus der Gründerzeit ein hohes Potenzial zum Ausbau - und damit zu Statements in Bezug auf Nachhaltigkeit und Ökologie.

Noch vor hundert Jahren war der Dachausbau nicht etabliert, weil die Brandschutzverordnung ganz einfach jegliche Nutzung der Dächer untersagte. "Heute sind die meisten Gebäude aus dieser Zeit sanierungsreif, und so entstand ein regelrechter Wettlauf um Dachböden innerhalb des dicht verbauten Stadtgebietes", erklärt Ulreich. Statt wie in den Neunzigern die Flucht in den Speckgürtel anzutreten, wollen junge, urbane Personen eher die Vorteile der Vielfältigkeit Wiens ausnützen und spitzen auf Lebensraum unter dem Dach.

Doch auch zu ebener Erde - in der Kommunikationszone, wie sie Daneshgar bezeichnet - kann man den Safran noch schmecken. Das gelbe Band gibt den beiden Büros im Erdgeschoß - in eines ist Daneshgar selbst eingezogen - ein Vordach mit Beleuchtung. Und warum Safran? Kurz hält der Architekt inne, doch sodann: "Das ist ein magisches Gewürz, es wird zum Verfeinern von Speisen genommen, dadurch bekommt alles einen gewissen Glanz." (Alexander Lass, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.10.2006)

Kommentar posten
21 Postings
biaggi
11
8.11.2006, 14:36
das gelbe eckerl ...

sieht aus wie die bergstation einer gondelbahn! Juheee

Kristoph abi
00
17.11.2006, 09:18
lolllllllll :)))))))

greg gergi
01
30.10.2006, 13:07
immoseiten /der standard

eine sehr gute und sehr mutige auswahl. weiter so.danke

tommy halihalo
00
29.10.2006, 22:18
was für eine spannende Herausforderung die nachhaltige Altbaumodernisierung ist.

Das Grätzel in Margareten hat lokal den höchsten Ausländeranteil, die meisten Substandardwohnungen und den niedrigsten Anteil an Grünflächen. Der Umbau betraf drei desolate Häuser mit winzigen Wohnungen, veralteten Heizungen und einem Hof ohne Grün. Die neue Erschließung mit Liften und hofseitigen Laubengängen, einem Spielgarten über der kleinen Tiefgarage, intensiver Begrünung der Hoffassaden mit sichtgeschützten, neuen Balkonen und Loggien für alle Wohnungen sowie die Umwandlung des Dachraumes in Maisonetten mit Terrassen und Pflanzentrögen bilden ein urbanes Ambiente, das auch durch »trendige« Details und hochwertige Nutzung des Sockels in die Umgebung ausstrahlt.

brunos bruni
00
29.10.2006, 22:06
Innenhof : eine echte Oase im fünften Bezirk

Den Vorarlbergern sagt man Baukultur nach. In Wien ist seit jeher Platz für Vielfalt. Was ein persischer Architekt aus drei durchschnittlichen Zinskasernen in einem mäßig attraktiven Innenstadtbereich gemacht hat, hat einiges mit Nachhaltigkeit zu tun. So kann Wohnen im dicht verbauten Stadtgebiet wieder zur Alternative zur Abwanderung in den Speckgürtel werden. Finanzierbar sind derartige Projekte allerdings meist nur mit Aufstockungen, wovon hier in durchaus provokanter Weise Gebrauch gemacht wurde. Einstimmig fällt das Urteil über den attraktiven, grünen und gern genutzten Innenhof aus, eine echte Oase im fünften Bezirk.

Van Nelle
61
29.10.2006, 19:27
Von außen einfach nur häßlich

Auch wenn in diesem Forum offenbar Angestellte der Immobilienfirma negative Bewertungen auf alle Postings verteilen, die sich nicht mit Hurra-Tönen zu Wort melden, muss man es doch sagen dürfen:

Ich finde die Form der Ausbauten und Farbgestaltung einfach nur scheußlich. Die historische Bausubstanz wird völlig ignoriert, die aufgepappten (Blech?)Konstruktionen in Billa-gelb wirken fantasielos und schäbig.
Ich habe keine Ahnung, warum seit einiger Zeit die Architekten wieder Kisten- und Schachtelformen auf (möglichst schiefen) Stelzen lieben und das ganze noch als Innovation verkaufen. "Nachhaltig" nennt man dann das, was in spätestens 30 Jahren kein Mensch mehr sehen kann und wieder abgerissen werden muss.

habby
 
00
29.10.2006, 17:48
Wenn man von Architektur was versteht…

Überraschend schön und spannend. Wenn man von Architektur was versteht, sieht man dass es etwas Besonderes ist.
Ich muss mal vorbei gehen und das Projekt näher sehen! In fünften ist so was nicht vorstellbar. So warme Architekturen zwischen alle grauen Gebäuden aus 60er Jahren…
Andere Projekte in www.daneshgararchitects.com sind auch hochinteressant!

Happy Halloween…

ei padauz
50
29.10.2006, 16:01
Eigentlich ein Fan moderner Architektur...

...schaut das für mich eher aus wie ein gefängniswachturm in schiachgelb...

ein mensch
00
2.11.2006, 01:55

Die Fassadengestaltung samt eckaufsatz ist bestenfalls halbherzig - sicherlich auch ein ergebnis der verhandlungen mit MA 19.
Ich hoffe, dass es -auf den fotos nicht sichtbare- weitere gute strukturelle und technische details gibt, die die nominierung rechtfertigen.

daria dara
02
29.10.2006, 11:16
WOW,COOL....

Ich finde es super, ...Also genau das richtige für Grätzel....Die Adresse macht das Projekt doppelt interessant. respekt.

geheimrat
92
29.10.2006, 10:53
Der Kerl der das verbrochen hat

wird sicher einmal ein Stararchitekt. Wenn ich mir die Dachausbauten im 1. Bezirk anschau' dann kann es ja nicht mehr lang dauern bis irgendein Stadtbildverbrecher auf den Dom so einen Krapfen draufsetzt und dann von den debilen Architekturkritikern bejubelt wird. Von wegen Spannungsfeld und so in der Richtung.
Es ist einfach unfassbar wie diese Stadt geschändet wird.

tim tim
02
30.10.2006, 11:19
herr geheimrat

leute wie sie haben wir gebraucht! die ständig-motzer haben sich jetzt gerade die dachausbauten im 1. auserkoren. was ist daran schlecht? wenn ich das argument "weltkulturerbe" höre, wird mir überhaupt schon schlecht. weil der blick auf den stephansdomverstellt wird? von wo bitte schauen sie auf den dom? bewegen sie sich ständig auf dachhöhe durch wien?
ich verrate ihnen ein geheimnis: auch das jetzige "stadtbild" ist nicht in einem tag entstanden, sondern ändert sich laufend, seit hunderten jahren!!!!! also bitte behalten sie als geheimrat ihre äußerungen auch für sich, danke

~~~|~~~
52
29.10.2006, 10:51
FURUNKEL

überreif, so richtig zum Ausdrucken, eins von denen wo das Eiter so schön weit spritzt.

Sorry, aber da sind Holleins unnötige Flugdächer ja noch richtiggehend ästhetisch.

Aber er oder sein Auftraggeber muss gute Connection haben, mir haben's im 9. nicht einmal die kleinste Änderung am Dach erlaubt (es ging nur um Fenster, nicht einmal um Änderungen im Umriss)

maria mariaklammer
23
29.10.2006, 01:31
sehr schön

...Identität stiftende Gebäude verlangen eine eindeutig definierte, anschauliche Architektur mit funktionalen Vorteilen und emotionaler Ausstrahlung. Die Schönheit eines Gebäudes basiert auf seiner Logik und Effizienz, nicht auf Dekor und Zeitgeist.

Stromlinienformen in der Architektur machen Großformen nicht nur optisch kleiner, sondern auch ökologisch und konstruktiv effizienter. Zum architektonischen Objekt als Bedeutungsträger gehören im Chaos wuchernder Städte nicht erst seit dem Pariser Centre Pompidou der 70er Jahre der überraschende Auftritt und der provokative Maßstabssprung.

peter peter4321
04
29.10.2006, 01:06
Grätzel

....interessant. Das Grätzel zwischen Reinprechtsdorferstrasse und Gürtel gehört nicht zu jenen Bezirken, in denen man Penthäuser vermuten würde: Es hat den höchsten Anteil an Ausländern und die höchste Dichte an Substandardwohnungen von ganz Wien.

johann potakowskyj
 
07
28.10.2006, 22:58
schön dieser blick auf die feurmauer

der ist sicher sehr nachhaltig!

ja die immoseiten in den medien sind immer schön ...
ich muss das sagen.

mfg
johann potakowskyj

ral9005
00
28.10.2006, 20:46

stil ist das was ihnen gefällt?

Bodypainter
72
28.10.2006, 20:46
man hat das gefühl das gebäude hat krebs.

das arme haus!

01052004
61
28.10.2006, 20:30
himmel,

wie grauenhaft.

stil gehört wohl nciht mehr ins repertoire von architekten. nur anders sein, um noch irgendwie auffallen, um endlich den eigenen stolz befriedigen zu können: seht an, so scheußlich kann man bauen. ja, so scheußlich kann ich bauen...

gottseidank bauen die heutigen architekten nur für 30 jahre. ein ende ihrer schandtaten ist bereits absehbar...

nebenfrage: warum wohnen eigentlich viele haus-verschandler eigentlich so gern in klassischen altbauwohnungen ohne äußeres schnickschnack? und nicht in ihren eigenen ergüssen???

Daschaui aber
62
28.10.2006, 18:17
Zum Bild des "nachhaltigen Bauen" hier oben im Artikel,...

...fällt mir die früher einmal gestellte Frage ein, von wo der Blick auf Wien wohl der schönste wäre?
Die Antwort damals war: Vom Donauturm, denn dort sieht man den Donauturm nicht!

Das "Penthouse" am Bild, wo "Nachhaltigkeit gepredigt wird", ist wohl ein Inbegriff der Hässlichkeit und nur von dessen Fenster zu ertragen.

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