Die verfallende Mölkerbastei

29. März 2007, 16:45
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Die Beschwerden häufen sich, Anrainer fordern Revitalisierung - Teileigentümer Innenministerium will verkaufen, aber nicht verschenken

Wien – Die Mölkerbastei in der Wiener Innenstadt zerbröckelt und verfällt, und das ist angesichts ihres hohen Alters – sie wurde um das Jahr 1150 erbaut – nicht verwunderlich. Die Seite der Bastei, die man vom Ring aus sehen kann, erscheint mit dem Wildwuchs an Hecken und Bäumen sogar romantisch.

Diese wilde Romantik hört aber dann auf, wenn sich auf den unebenen Wegen Menschen verletzen und jahrelang nichts für die Sanierung der Wege und der desolaten Mauer getan wird. Die grüne Bezirksrätin Patricia Davis und Peter Heimann, ein Anrainer, zeigen sich beim Lokalaugenschein verärgert und besorgt. Seit 16 Jahren wohne er schon gegenüber der Mölkerbastei, und außer einigen kleinen Veränderungen wie etwa der Installation der Straßenlaternen oder kleineren Ausbesserungsarbeiten an der Mauer habe es keine größeren Renovierungen gegeben, sagt Heimann. Schon jetzt bröckeln die Ziegel ab. Sollte die Mauer noch einige Winter frieren, könnte es gefährlich werden, sagt Davis.

Fonds im Innenministerium

Jahrelang habe man auch nicht gewusst, dass ein Teil der Liegenschaft, auf der sich das Pasqualati-Haus, in dem Beethoven seine Zeit in Wien verbrachte und das Dreimäderlhaus, das Kulisse für Orson Welles’ „Der Dritte Mann“ war, befinden, dem Wiener Stadterweiterungsfonds gehört. Der Fonds gehört dem Innenministerium und wurde von Kaiser Franz Joseph, als die Ringstraße gebaut wurde, gegründet.

Den anderen Teil besitzt die Stadt Wien, die sich auch bereit erklärt hat, den Fondsanteil zu übernehmen – geschenkt. Die Stadt argumentierte, die notwendigen Verbesserungsarbeiten würden ohnehin viel Geld verschlingen. „Diese Liegenschaft hat einen Wert,“ sagt Alexander Janda, Leiter des Stadterweiterungsfonds, und deswegen wolle man nichts verschenken. Im Sommer wurde in der International Herald Tribune eine Anzeige geschaltet, in der man die Mölkerbastei um eine Million Euro zum Verkauf anbot. Die Bastei, die sich allerdings nur aus Wegen und der Böschung zusammensetzt, ist nicht als Baugrund geeignet.

Bei dem letzten Grätzeltreffen, das Ursula Stenzel, Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt veranstaltete, verblieb der Fonds mit der Stadt dabei, Gespräche zu führen. Was Janda aber bei dem Treffen zugesichert habe, sei die Erneuerung des Asphalts bis zum Winter, sagte Stenzel. Am unebenen Asphalt hatte sich die Anrainerin Brigitte Eichinger „verknöchelt“ und den Fonds geklagt. „Es passiert dauernd etwas. So geht das nicht“, sagt Eichinger und fordert von Janda Taten und nicht bloß ein „Schulterzucken“. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 28./29.10.2006)

  • Die Mölkerbastei ist renovierungsbedürftig. Ob der Bund oder die Stadt sie erneuert, ist die Frage
    foto: standard/hendrich

    Die Mölkerbastei ist renovierungsbedürftig. Ob der Bund oder die Stadt sie erneuert, ist die Frage

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