Die Traumreise blieb ein Traum

3. Juli 2000, 19:50

Mutmaßlicher Betrug bei Internet-Auktion: Hunderte Urlauber aus Österreich und Deutschland betroffen

TIPP
Ombudsmann im Web

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) warnt vor einem großen mutmaßlichen Ferien-Betrug im World Wide Web: Schon mindestens 100 urlaubsreife Surfer aus Österreich und Deutschland, die via Internet-Auktionen eine "Traumreise nach Teneriffa" ersteigert hatten, konnten sich bisher das bunte Treiben an kanarischen Stränden nur ausmalen. Obwohl pro Person rund 25.000 Schilling auf ein spanisches Konto einbezahlt wurden, blieben die gepackten Koffer bis heute daheim. Nach Informationen des Internet Ombudsmannes seien Buchungen nie betätigt worden, der verantwortliche Anbieter von einem Reisebüro aus Friedrichshafen in Deutschland sei untergetaucht.

Die Traumreisen wurden bei fast allen deutschsprachigen Online-Auktionshäusern angeboten, darunter auch bei Offerto in Linz, mit registrierten 12.000 Teilnehmern das größte virtuelle Versteigerungsforum Österreichs. Der beschuldigte Anbieter sei momentan gesperrt, sagte Offerto-Sprecherin Kerstin Kuffer Montag zum Standard. Die Überprüfung der Vorwürfe werde nun gemeinsam mit Rechtsexperten der deutschen Mutterfirma (www.offerto.com) durchgeführt.

Laut Kuffer habe sich bereits eine Art virtuelle Selbsthilfegruppe von Betroffenen gebildet. Diesen rät Ursula Kogler von der VKI-Rechtsabteilung unbedingt, Strafanzeige zu erstatten. Ob die Online-Auktionshäuser haftbar gemacht werden könnten, sei noch nicht geklärt, so die Konsumentenschützerin. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen würden Haftungen meist abgelehnt, denn der virtuelle Hammerschlag bedeute nur die Vermittlung eines Geschäftes. Als Vertragspartner gelten Käufer und Verkäufer.

Selbstkontrolle

Bei einigen Online-Auktionshäusern werden Anbieter in punkto Seriosität bewertet. Bei Offerto beispielsweise stehen grüne Punkte für Zuverlässigkeit, rote Punkte für das Gegenteil. "Die Wertungen werden aber von unseren steigernden Kunden selbst vorgenommen", so Offerto- Sprecherin Kuffer. Es handle sich also um Selbstkontrolle, die umso besser funktioniere, je größer der Kundenkreis sei. Wer nur mit roten Punkten auffalle, werde gecheckt und im Ernstfall gefeuert.

VKI-Rechtsexpertin Kogler warnt jedenfalls generell davor, Waren oder Dienstleistungen mittels Vorauskasse zu erwerben. "Im realen Reisebüro würde ja auch niemand auf die Idee kommen, den Urlaub ohne entsprechenden Beleg zu bezahlen." (Michael Simoner)

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