"Wie man Eintönigkeit vermeidet ...": Arnold Schönberg und Wiener Klassik

27. Oktober 2006, 19:08
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Auch das Schönberg-Center kommt an Mozart nicht vorbei: In einer geglückten Ausstellung wird dem Verhältnis des Zwölftöners zu Mozart besondere Aufmerksamkeit geschenkt

Wien - Mal bezeichnete er sich global als einen "gelernten Brahmsianer oder Beethovenianer oder Mozartianer". Ein andermal verlangte Arnold Schönberg von seinen Schülern barsch, die Klarheit im Denken eines klassischen Komponisten wenigstens zu erkennen, wenngleich sie diese schon nicht herstellen könnten. "Aus der Eroica", so erfährt der Besucher der Sonderausstellung "Mozart und Schönberg - Wiener Klassik und Wiener Schule" im Schönberg Center, "erfuhr ich Lösungen für meine Probleme: wie man Eintönigkeit und Leere vermeidet".

Doch je älter der Komponist und Theoretiker wurde, der sich auch in seiner späteren amerikanischen Zeit immer als in der Wiener Tradition stehend sah, desto sicherer war er sich: "Man kann wirklich sagen, dass ich Mozart sehr, sehr viel verdanke, und wenn man sich ansieht, wie z. B. meine Streichquartette gebaut sind, dann kann man nicht leugnen, dass ich das direkt von Mozart gelernt habe." Er fügt euphorisch an: "Und ich bin stolz darauf!" Nachdem ein Internationales Symposium zum Thema "Mozart und Schönberg" zu Ausstellungsbeginn sich wissenschaftlich dem stilistischen Werdegang des Meisters auf den Spuren der Wiener Klassik sowie dessen künstlerischer und theoretisch vielfältiger Reflexion der Wiener Überväter annahm, richtet sich die Ausstellung auch an musikalische Laien.

Gut aufbereitet

"Gerade durch den Audioführer, der alle Notenbeispiele in Musik überträgt, kann auch der Nichtspezialist eine fundierte Vorstellung davon bekommen, wie ein Werk des 18. Jahrhunderts seine Spuren in der Moderne hinterlassen kann", so die Kuratorin Therese Muxeneder, die gemeinsam mit Eike Feß für diese Ausstellung verantwortlich zeichnet.

Der gut recherchierten Ausstellung ist vor allem zu entnehmen, dass der oft zitierte Pate Beethoven wohl für größere formale Strukturen als Vorbild herhalten musste, während dessen der Einfluss Mozarts sich eher am kammermusikalischen Detail nachvollziehen lässt. In buntfarbiger Demonstration wird dem Besucher gezeigt, wie im zweiten Streichquartett op. 10 ähnlich reichhaltige Motivabfolgen wie in der Figaro-Szene eingefügt werden, wie ein Seitengedanke in der Wiederholung variiert wird, wie auch Schönberg in der Nachfolge Mozarts die ebenmäßige Symmetrie der Form infrage stellt.

Als junger Künstler hatte er einmal gelesen, Mozart habe keine Instrumente beim Komponieren gebraucht - das passte ihm, so tat er seitdem auch. Vor allem ließ er sich von Mozarts Formdenken inspirieren. Schönberg ist endlich - dank der Konsolidierung der künstlerischen Moderne - in einer direkten Entwicklungslinie zu der Wiener Klassik zu sehen. Klar, dass seine Bibliothek alle Standardkompositionen von Haydn über Beethoven bis zu Mozart beinhaltete. Auch zur Vorklassik hatte er eine gewisse Affinität. (Beate Hennenberg / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.10.2006)

Schönberg Center, 3., Palais Fanto, Schwarzenbergplatz 6, (01) 712 18 88
Bis 27. 1. 2007
Link: schoenberg.at
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Schönberg hat auch Schülern die Wiener Klassiker nahe gebracht.
    foto: schönberg center

    Schönberg hat auch Schülern die Wiener Klassiker nahe gebracht.

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