Pinguine am Wiener Opernball - ÖW-Chefin Stolba im STANDARD-Gespräch

9. November 2006, 17:44
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Petra Stolba will die Tourismusbranche zu gemeinsamem Handeln bewegen. Die Pinguine als Werbebotschafter bleiben

Mit der neuen Chefin der Österreich Werbung sprach Günther Strobl.

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STANDARD: Sie übernehmen nächste Woche die Verantwortung für die größte Tourismusmarketingorganisation des Landes, die Österreich Werbung (ÖW). Welche Akzente wollen Sie setzen?

Stolba: Die Marke Österreich als Urlaubsland festigen und gleichzeitig die Internationalisierung vorantreiben. Fast 70 Prozent unserer Urlaubsgäste stammen aus Österreich und Deutschland. Auf diesen Märkten findet ein Verdrängungswettbewerb statt. Wir müssen neue Gäste für Österreich begeistern, Inder, Chinesen. Das könnte uns auch helfen, mehr in Richtung Ganzjahrestourismus zu gehen.

STANDARD: Da müssen auch die Betriebe mitziehen, länger offen halten und ihre Mitarbeiter schulen für den Umgang mit Gästen aus Indien oder China.

Stolba: Wir als ÖW können nichts anordnen, wir können nur Impulse geben.

STANDARD: Muss es der Branche erst schlechter gehen, dass sich etwas ändert?

Stolba: Es gibt viele Familienbetriebe bei uns, die vor der Übergabe stehen. Eine Umorientierung braucht ihre Zeit.

STANDARD: Wie gerechtfertigt ist es, dass der Tourismus mit öffentlichem Geld gefördert wird. Trägt sich das Geschäft mit dem Urlaub nicht von allein?

Stolba: Der Tourismus hat enorm positive Effekte auf die Volkswirtschaft. Allein im Tiroler Zillertal sichert der Tourismus 9600 Vollarbeitsplätze. Der Bäcker profitiert genauso von der Präsenz der Gäste wie der Installateur oder der Tankwart. Außerdem: Die ÖW bewirbt als einzige Organisation das Urlaubsland Österreich. Deshalb ist der Einsatz öffentlicher Gelder gerechtfertigt.

STANDARD: Wenn der Tourismus so wichtig ist, warum gibt es dann keinen lauten Schrei nach einem eigenen Ministerium mit entsprechenden Kompetenzen?

Stolba: Da muss man sich zunächst die rechtliche Grundlage vor Augen führen. Tourismus ist Ländersache und berührt darüber hinaus viele Bereiche, von der Steuer- bis hin zur Kulturpolitik. Ob ein eigenes Ministerium oder nicht: Wichtig ist, dass der Tourismus mit einer Stimme spricht und gut verankert ist in der Politik.

STANDARD: Was verbinden Sie mit Pinguinen?

Stolba (lacht): Die Pinguine der ÖW sind das ideale Vehikel, um im modernen Verständnis von Tourismuswerbung Geschichten zu erzählen und Emotionen zu transportieren. Deshalb wird es sie weiter geben.

STANDARD: Österreich stand während des EU-Ratsvorsitzes im 1. Halbjahr 2006 im internationalen Rampenlicht, die Pinguine standen nirgends. Ein Fehler?

Stolba: Eine Werbekampagne darf auch nicht überreizt werden. Wir prüfen derzeit, ob das Anwendungsgebiet der Pinguine erweiterbar ist und ob es Sinn macht, sie etwa beim Opernball einzusetzen.

STANDARD: Der Weltcupauftakt dieses Wochenende in Sölden musste abgesagt werden, wegen Schneemangel am Gletscher. Ist das nicht ein katastrophales Signal vor Beginn der Wintersaison?

Stolba: Wir beobachten seit Jahren, dass sich der Winterbeginn nach hinten verschiebt. Das ist so. Entscheidend ist, dass es in den Herkunftsmärkten schneit. Das macht Stimmung, dann kommen auch die Buchungen. Darüber hinaus ist klar, dass wir uns im Winter um zusätzliche Angebote abseits des Alpinsports bemühen müssen. Da bieten sich Themen wie Gesundheit und Kultur an.

STANDARD: Woran möchten Sie gemessen werden nach Ablauf Ihrer Funktionsperiode?

Stolba: Zum Beispiel daran, ob es mir gelingt, die Branche zu einem einheitlichen Auftreten im strategischen Bereich zu bewegen mit der Möglichkeit, deutlich mehr Synergien als bisher zu heben. Außerdem möchte ich alles daran setzen, die Zahl der internationalen Ankünfte zu erhöhen und Österreich unter den Top-10-Tourismusdestinationen der Welt zu halten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.10.2006)

  • Zur Person
Petra Stolba (42) mischt im Tourismus seit 1990 mit, zunächst bei Volksbank Reisen, dann beim Kongressverband ACB und der Niederösterreich Werbung. Im Wirtschaftsministerium, das 75 Prozent an der ÖW hält, war sie Abteilungsleiterin für Tourismus und Freizeitwirtschaft. 2004 wurde Stolba in der Wirtschaftskammer Österreich, der 25 Prozent der ÖW gehören, erste Sparten-Geschäftsführerin Tourismus. Stolba hat Publizistik und Politikwissenschaft studiert und steht vor dem Abschluss des BWL-Studiums. Am 1. November folgt Stolba Arthur Oberascher an der Spitze der ÖW nach.
    foto: standard/hendrich

    Zur Person
    Petra Stolba (42) mischt im Tourismus seit 1990 mit, zunächst bei Volksbank Reisen, dann beim Kongressverband ACB und der Niederösterreich Werbung. Im Wirtschaftsministerium, das 75 Prozent an der ÖW hält, war sie Abteilungsleiterin für Tourismus und Freizeitwirtschaft. 2004 wurde Stolba in der Wirtschaftskammer Österreich, der 25 Prozent der ÖW gehören, erste Sparten-Geschäftsführerin Tourismus. Stolba hat Publizistik und Politikwissenschaft studiert und steht vor dem Abschluss des BWL-Studiums. Am 1. November folgt Stolba Arthur Oberascher an der Spitze der ÖW nach.

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