Kabila gegen Bemba

31. Oktober 2006, 09:58
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Am Sonntag findet in der Demokratischen Republik Kongo die Stichwahl um die Präsidentschaft statt

Beide Kandidaten spielten im Wahlkampf die nationalistische Karte aus. Laut Umfragen liegt Kabila vorn.

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Kinshasa - Nach der ersten Wahlrunde im Juli stehen sich die stimmenstärksten Kandidaten, Joseph Kabila Kabange und Jean-Pierre Bemba, am Sonntag erneut gegenüber. Der 35-jährige Joseph Kabila, der mit 48 Prozent den ersten Durchgang gewann, und Jean-Pierre Bemba, der mehr als 20 Prozent der Wähler überzeugen konnte, haben eines gemeinsam: mächtige Väter.

Unter Diktator Mobutu erwarb Bembas Vater als Wirtschaftsminister ein stattliches Vermögen, das dem Sohn eine Karriere in der nationalen Telekommunikation-, Luftfahrt- und Medienbranche eröffnete. Während der politischen Krise wechselte Bemba in die Kriegsindustrie und brachte als Anführer der Rebellengruppe MLC weite Teile des Landes unter seine Kontrolle. Anhänger fand der charismatisch und autoritär auftretende Kongolese vor allem in der Hauptstadt Kinshasa.

Kabilas Vater ist im Kongo ebenfalls kein Unbekannter: Laurent Desiré Kabila einte 1996 die Gegner Mobutus zur Rebellenarmee ADFL, die den Diktator des damaligen Zaire im Mai 1997 stürzte. Der schweigsame und diskrete Kabila Junior, der bei seiner Mutter in Tansania aufwuchs und sein Jusstudium in Uganda abgebrochen hatte, trat mit 25 Jahren in die Armee seines Vaters ein und war drei Jahre später bereits oberster Truppenkommandeur.

Friedensprozess

Nach der Ermordung seines Vaters im Jahr 2001 durch einen Leibwächter gelang es dem politisch unerfahrenen Joseph, den vielschichtigen politischen Konflikt, der an die vier Millionen Opfer gefordert hatte, in einen erfolgreichen Friedensprozess zu transformieren, was ihm große Sympathien einbrachte. 2003 einigten sich Kabila und Bemba im Friedensabkommen von Sun City auf eine Übergangsregierung, in der Kabila Präsident und Bemba Vizepräsident wurde. Im Wahlkampf übertrafen sich beide Kandidaten mit nationalistischen Parolen. Während Kabila auf nationale Einigung im Sinne des Friedensabkommen setzte, versuchte Bemba, mit dem Motto "Kongo den Kongolesen" zu punkten. Er warf Kabila vor, aufgrund seiner Kindheit in Tansania kein echter Kongolese zu sein und die Landessprache Lingala nicht zu beherrschen. Der Friedensprozess wird von ihm als fremdbestimmt dargestellt, der "Ausländer" Kabila als Wunschkandidat des Westens diffamiert.

Aufgrund ihrer Nähe zur korrupten politischen Elite des Landes und ähnlicher politischer und wirtschaftlicher Programme halten viele Kongolesen Kabila und Bemba für zwei Seiten der selben Medaille. Der prognostizierte Wahlsieg Kabilas könnte erneut zu Unruhen führen, sollte der Wahlprozess nicht ausreichend transparent und nachvollziehbar sein. Die letzten Tage waren von Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der beiden Bewerber geprägt. Am Donnerstag starben mindestens vier Angehörige von Bemba. (Paul Grohma/DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2006)

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Paul Grohma ist zurzeit als Wahlbeobachter im Kongo

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