Justiz klopft Libro auf die Finger

9. November 2006, 19:42
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Wirtschaftskammer erwirkte Einstweilige Verfügung gegen Werbung für günstige Bücher - Die Kette wehrt sich

In Österreichs Buchhandel entzündet sich ein Konflikt ums Diskontgeschäft. Die Wirtschaftskammer hat Libro geklagt und eine einstweilige Verfügung erwirkt. Grund: Libro wirbt für günstige Bücher – und das ist verboten. Die Kette wehrt sich.

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Wien – Die Wirtschaftskammer (WKÖ) nimmt Buchhandelsdiskonter härter an die Kandare. Nach einer Klage gegen den jungen Filialisten Buchlandung ist jetzt auch Branchenriese Libro ins Schussfeld geraten. Der Vorwurf: Libro rühre für vergünstigte Bücher großflächig die Werbetrommel. Das sei verboten. Die Kammer fürchtet eine Schwächung der Buchpreisbindung. Sie hat am Handelsgericht Wiener Neustadt Klage gegen die Kette eingereicht und mit Oktober eine einstweilige Verfügung erwirkt. Das bestätigte Michael Kernstock, WKÖ-Obmann der Buch- und Medienwirtschaft, dem STANDARD.

Abmahnungen

Buchhändler dürfen zwar Rabatte bis maximal fünf Prozent geben. Jede Form der Bewerbung ist aber untersagt. Libro habe laut Kernstock mehrere Abmahnungen ignoriert. Die Sorge der Buchbranche: Sollte es nicht gelingen, Libro in die Schranken zu weisen, ziehen weitere große Anbieter nach. "Und das hat Folgen auf andere Händler, denn es gehen Umsätze verloren", sagt Andreas Tarbuk, Vorsitzender des Buchhändler-Verbands.

Libro – die Kette betreibt in Österreich 222 Filialen – wehrt sich und hat gegen die einstweilige Verfügung Einspruch erhoben, sagt Geschäftsführer Werner Weber. "Dieses Werbeverbot benachteiligt uns klar gegenüber klassischen Einzelhändlern."

Denn Libro könne als Filialist billigere Bücher nicht über einzelne Gespräche mit Kunden bewerben. Der Versuch, darüber mit der Kammer konstruktiv zu diskutieren, sei jedoch gescheitert, sagt Weber.

Buchlandung ebenfalls im Visier

Im Visier ist nicht nur Libro. Die Branche hat im Frühjahr gegen vier Filialen der Wiener Buchlandung mobil gemacht. Die Kammer warf dem Diskonter vor, nicht nur ältere und mangelhafte Bücher, sondern auch neue Titel zu verramschen. Der Gerichtsstreit endete jetzt in einer außergerichtlichen Einigung, erfuhr der STANDARD. Buchlandung darf künftig nur Titel, die älter als zwei Jahre oder "zufällig" beschädigt sind, günstiger verkaufen. Allein ein Eselsohr oder ein roter Mängelstempel sind zu wenig.

Kernstock sieht die Entscheidung als richtungsweisenden Erfolg. Bei Buchlandung-Chef Lucas Müller löst sie Kopfschütteln aus. "Wir haben ja auch bisher nur Mängelexemplare verkauft." Größere Gefahr für Österreichs Buchhändler sei "die rasante Expansion des Riesen Thalia". (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.10.2006)

  • Libro erlebt einen Rückschlag im Rabattgeschäft. Günstigere Bücher dürfen nicht beworben werden. Jetzt sprechen die Gerichte.
    foto: standard/christian fischer

    Libro erlebt einen Rückschlag im Rabattgeschäft. Günstigere Bücher dürfen nicht beworben werden. Jetzt sprechen die Gerichte.

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