Clemens Wabra: "Im richtigen Zusammenhang macht alles Sinn"

7. November 2006, 13:58
posten

Z.T. Toshas Projekt "Pencilbrain" tourt zurzeit durch Österreich und entließ ihren Gitarristen zum derStandard.at-Interview

Ein wüstes Greifen in alle Farbtöpfe unternimmt der umtriebige niederländische Produzent ZT Tosha mit seinem aktuellen Projekt Pencilbrain. Die – laut Eigendefinition – Fusion aus "Hip-hop, Funk, Rock, Dub, Nu jazz, DADA-Rap und einer temperamentvollen Stimme" ist zurzeit auf Österreich-Tour. Mit dem aus Österreich stammenden und in Den Haag lebenden Pencilbrain-Gitarristen Clemens Wabra, unter anderem auch bei Saint Privat aktiv, sprach derStandard.at über Kommunikation in der U-Bahn, Musikmachen in den Niederlanden und innovative Musik.

derStandard.at: Gibt es so etwas wie einen Pencilbrain'schen Leitgedanken?

Wabra: Alles begann, als Z.T.Tosha, circa vor sieben Jahren, nach einer durchgezechten Nacht in London auf die U-Bahn wartete. Er war von einer Menge Leute umgeben, die wild durcheinander miteinander kommunizierten. Zwei neben ihm hatten Walkmen auf höchste Lautstärke gestellt und zwei andere telefonierten mit ihren Handys...in diesem Moment realisierte er, dass es eigentlich völlig egal ist, welche Sounds und Rhythms man auf einmal hört, alles macht einen Sinn, wenn es im richtigen Zusammenhang steht.

Von da an begann er mit diesem Konzept zu experimentieren. Heraus kamen zwei CDs – Diverted Witness und Come For Me. Das ganze Konzept kann man dann eigentlich als Versuch ansehen, Urban Live, das Leben in der Stadt, einzufangen.

derStandard.at: Wem gefällt Eure Musik sicher nicht?

Wabra: Eigentlich allen, die absolut nur ein gewisses Genre lieben, denke ich mir.

derStandard.at: Warum?

Wabra: Unsere Musik ist eine Mischung aus vielen verschiedenen Stilen, die alle zusammen absolut Sinn machen und etwas Wunderschönes ausdrücken – für jeden Zuhörer etwas anderes, natuerlich. Eigentlich ist das aber ein bisschen schwer zu beantworten, weil Pencilbrain als Live Band eine etwas andere Richtung einschlaegt als das Album.

derStandard.at: Inwiefern?

Wabra: Das Album ist eher downtempo konzipiert, zum Relaxen, nach einer durchzechten Nacht zum Beispiel. Als Live Band spielen wir auch viele uptempo, dancable Tunes. Sprich: Die, die unser Albun nicht mögen, sollten uns unbedingt live sehen und umgekehrt.

derStandard.at: Findet man als vielseitig beschäftigter Gitarrist, wie du es bist, in Den Haag andere Möglichkeiten vor als in Wien?

Wabra: Holland ist, um als Musiker gut zu leben, eigentlich ein schwieriges Pflaster. Es gibt viel mehr Musiker auf kleinerem Raum. Dazu kommt, dass alle großen Städte nah beieinander liegen und jede dieser Städte ein eigenes Konservatorium hat. Die Studenten sind froh über jeden Job und spielen für viel weniger Geld. Prinzipiell glaube ich, dass sich die Möglichkeiten weltweit immer mehr ausgleichen, da man selbst Weltstars jetzt viel leichter kontaktieren kann als vor 20 Jahren.

derStandard.at: Was sind die nächsten Pencilbrain-Pläne?

Wabra: Zwei weitere Promotion Tours für unser Album. Die erste soll in den Nachbarländern Österreichs stattfinden, die zweite in den USA.

derStandard.at: Sicher oft gefragt, trotzdem: Warum der Name?

Wabra: Pencilbrain ist jemand, der zum Beispiel nicht gut im Kopfrechnen ist und alles aufschreiben und zusammenrechnen muss, jemand, der nicht unbedingt der Schnellste im Kopf ist, aber auch nicht echt langsam oder dumm. Z.T.Tosha hat damals diesen Namen gewählt, weil er anfangs eigentlich keine Ahnung hatte, in welche Richtung er mit seiner Musik gehen wollte. Er hat viel experimentiert.

derStandard.at: Vergleich Pencilbrain/Saint Privat: Wer von beiden macht innovativere Musik?

Wabra:Für mich ist es immer schwer, Kreativität und Innovation zu beurteilen. Erstens sind die Geschmäcker extrem verschieden und zweitens tut jeder, egal in welchem Business, das Beste, was für ihn oder sie möglich ist. Mir ist wichtiger, ob es Menschen gibt, die etwas aus dieser Musik heraus bekommen. Wenn jemand durch Pencilbrain oder Saint Privat auf irgendeinem Level berührt wird, ist das für mich das Einzige, was zählt. (mas)

Pencilbrain in Österreich:
28.10., Kulturkeller LeobenLink
Pencilbrain

  • Pencilbrain-Gitarrist Clemens Wabra
    foto: pencilbrain

    Pencilbrain-Gitarrist Clemens Wabra

Share if you care.