Polen: Selbstmord nach Missbrauch im Klassenzimmer

29. Oktober 2006, 18:57
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14-Jährige war am Vortag von drei Mitschülern sexuell bedrängt worden - Direktor zurück getreten

Warschau - In der nordpolnischen Stadt Danzig hat eine 14-Jährige Selbstmord begangen, nachdem sie am Vortag von drei Mitschülern im Klassenzimmer sexuell misshandelt worden war. Der Fall hat in Polen Entsetzen verursacht. Der Leichnam des Mädchens wurde am Freitag beigesetzt. Das Parlament legte aus diesem Anlass eine Schweigeminute ein.

Die Burschen, die das Mädchen gezwungen hatten, sich auszuziehen, ehe sie es sexuell bedrängten, wurden am Donnerstag zu drei Monaten Aufenthalt in einer Besserungsanstalt verurteilt. Die Eltern haben gegen diese Entscheidung berufen. Einer der Väter bezeichnete den Vorfall im Klassenzimmer als Streich.

Schule trägt Mitverantwortung

Das Bildungsministerium lässt die Vorgänge untersuchen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Schule eine Mitschuld trifft. Die Schüler waren unbeaufsichtigt, weil die Lehrerin zum Direktor gerufen worden war. Dieser hat sein Amt inzwischen zurückgelegt. Eine Zeitung berichtete, dass es an dem Gymnasium schon früher zu sexuellen Übergriffen unter Schülern gekommen sei.

Die Regierung plant nach dem Tod des Mädchens strengere Strafen für jugendliche Täter. Schon 15-Jährige sollten künftig strafmündig sein. Außerdem soll es möglich werden, die Verurteilung zum Aufenthalt in einer Besserungsanstalt mit einer Gefängnisstrafe nach dem 18. Lebensjahr zu verbinden. (APA)

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