Josef Pröll im STANDARD-Interview: "Man kann sich nur wundern"

27. Oktober 2006, 20:03
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Zukunftshoffnung Umweltminister Pröll äußert seinen Missmut über eine große Koalition und warnt vor Rot-Grün-Blau

Umweltminister Josef Pröll fürchtet eine rot-grün-blaue Koalition. Für eine rot-schwarze Koalition des alten Stils, in der es nur um Jobs und Privilegien geht, würde er aber auch nicht zur Verfügung stehen, sagt Pröll im Gespräch mit Michael Völker.

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STANDARD: Sie gelten als die Zukunftshoffnung der ÖVP und stehen mit diesem Anspruch ziemlich konkurrenzlos da. Wie gehen Sie damit um?

Pröll: Es stimmt nicht, dass ich die einzige Zukunftshoffnung wäre. Ganz im Gegenteil. Ich bin einer der Jüngeren im Team. Mag sein, dass ich in den Medien der meistgenannte Politiker bin, aber die Medien werden nicht entscheiden, wer in der ÖVP die Zukunft ist. Im Übrigen gibt es überhaupt keinen Anlass, über Zukunftshoffnungen nachzudenken.

STANDARD: Wolfgang Schüssel wird kaum als Vizekanzler in eine große Koalition gehen. Stünden Sie bereit?

Pröll: Diese Frage stellt sich überhaupt nicht. Schüssel verhandelt mit Vehemenz und klarer Zielorientierung. Ob das jemals ein positives Ende in einer großen Koalition findet oder nicht, wird man sehen. Alles andere ist viel zu früh, um diskutiert zu werden. Aber meiner Meinung sollte Schüssel auch zukünftig im Team sein. Er ist ein Profi, der die ÖVP auch in den letzten Jahren sehr zielorientiert geführt hat. Er war es, der uns 2002 einen sensationellen Wahlsieg brachte.

STANDARD: Und jetzt eine Niederlage.

Pröll: Das ist jetzt ein extrem schmerzliches Ergebnis. Aber wir haben mit 34 Prozent eine Basis, auf der wir aufbauen können.

STANDARD: Freuen Sie sich auf eine große Koalition? Wie wird das mit der SPÖ? Packelei, Stillstand, Misstrauen?

Pröll: Wenn es so käme, wären wir nicht gut beraten, in eine Koalition zu gehen. Es muss eine moderne große Koalition sein. Wenn sie das nicht ist, hätten wir schon den Grundstein für die nächste Niederlage gelegt. Wir werden ganz genau aufpassen, dass das, was für die Zukunft Österreichs wichtig ist, auch einen Niederschlag in den Verhandlungen findet. Wir müssen offen an die Probleme herangehen und nicht alte Dinge wie Jobabtausch und Sonstiges wieder in den Vordergrund rücken. Daran würde ich mich auch sicher nicht beteiligen.

STANDARD: Stehen Sie auf jeden Fall für eine nächste Bundesregierung zur Verfügung, oder gibt es eine Konstellation, wo Sie sagen, „Das interessiert mich nicht“?

Pröll: Für alles stehe ich nicht zur Verfügung. Ich bin gerne Landwirtschafts- und Umweltminister, das möchte ich auch weiter sein. Allerdings in einer Zusammenarbeit, in der man zukunftsfähige Konzepte auf den Weg bringen kann und nicht auf alte Rituale angewiesen ist. Sonst würden wir die stärken, von denen ich nicht will, dass sie in Zukunft gestärkt werden – nämlich die Rechte.

STANDARD: Wenn Sie sich die Verhandlungen und die Forderungen der SPÖ anschauen: In welche Richtung geht es?

Pröll: Wir verhandeln ernsthaft. Was mir fehlt, das sind die Konzepte der SPÖ. Mir sind keine Papiere bekannt, die schon konzeptiv auf den Tisch gelegt worden wären. Ich bin aber überrascht, dass in dieser ganz sensiblen Phase der Verhandlungen jetzt im Parlament ganz andere Koalitionen geschmiedet werden. Darüber sollte man sich Gedanken machen.

STANDARD: Sie meinen den gemeinsamen Antrag von SPÖ, Grünen und FPÖ zu einem Eurofighter-Untersuchungsausschuss?

Pröll: Ich stelle fest, dass die erste Koalition, die nach dem 1. Oktober geschmiedet wird, eine rot-grün-blaue ist. Was sagt ein André Heller, eine Eva Glawischnig dazu? Die wollten vorher nur ja nicht rechts anstreifen, jetzt wird aber mit Strache eine Koalition gebildet. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Gerade für die Grün-Wähler stellt sich nach dem Plakat „Sie werden es nicht bereuen“ die Frage, ob sie es nicht doch schon bereuen müssen. Der erste Vertrag, der mit einem Handshake geschlossen wird, ist mit dem Herrn Strache. Okay, so ist es. Im Parlament werden wir das akzeptieren. Ein Untersuchungsausschuss ist ein legitimes Recht, aber eine vertrauensbildende Maßnahme der SPÖ für eine große Koalition ist er sicher nicht. Ich frage mich, ob im Hintergrund nicht überhaupt schon an so einer rot-grün-blauen Koalition für Österreich gearbeitet wird. Man kann sich nur wundern. Die SPÖ verhandelt zwar mit der ÖVP, auf der anderen Seite tut sie alles, um andere Mehrheiten zu zimmern. (DER STANDARD/Printausgabe, 28./29.10.2006)

  • „Was sagt ein André Heller?“ Auch Grün-Wähler müssten ihre Entscheidung bereits bereuen, findet Josef Pröll.
    foto: standard/fischer

    „Was sagt ein André Heller?“ Auch Grün-Wähler müssten ihre Entscheidung bereits bereuen, findet Josef Pröll.

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