Drei Palästinenser im Westjordanland erschossen

30. Oktober 2006, 12:46
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Israelischer Luftangriff auf Haus im Gazastreifen - Angeblich Fortschritte bei Verhandlungen zu Geisel-Freilassung

Nablus - Israelische Soldaten haben am Freitag im Westjordanland drei Palästinenser getötet. Im Flüchtlingslager Al Faraa bei Nablus erschossen die Truppen einen 23-jährigen Mann und einen 17-jährigen Jugendlichen, wie palästinensische Ärzte mitteilten. Der Onkel des Jugendlichen sagte, wahrscheinlich habe sein Neffe ein Armeefahrzeug mit Steinen beworfen.

Im benachbarten Dorf Jamun wurde ein 28-Jähriger erschossen, der nach Darstellung von Familienmitgliedern auf das Dach seines Hauses stieg, um den Einsatz der israelischen Truppen zu beobachten. Er wurde von einer Kugel im Kopf getroffen, zwei seiner Brüder wurden verletzt. Der Islamische Dschihad erklärte, der Getötete sei ein Mitglied gewesen und während eines Gefechts mit israelischen Soldaten erschossen worden.

Nach Angaben der Streitkräfte wurden beide Zwischenfälle von militanten Palästinensern provoziert. In Al Faraa hätten die Soldaten auf bewaffnete Palästinenser geschossen, in Jamun hätten Palästinenser mindestens zwei Soldaten durch Schüsse verletzt.

Bei einem Luftangriff im Flüchtlingslager Jebaliya im Gaza-Streifen zerstörten die israelischen Streitkräfte in der Nacht ein Haus, in dem nach ihrer Darstellung Waffen gelagert wurden. Die Bewohner wurden kurz vor dem Angriff aufgefordert, das Haus zu verlassen. Verletzt wurde niemand. Israel hat seine Offensive im Gaza-Streifen nach der Entführung des Soldaten Gilad Shalit Ende Juni begonnen, seitdem wurden mehr als 200 Palästinenser getötet.

Bei den Verhandlungen um die Freilassung Shalits legten die israelische Regierung und die Hamas indes Optimismus an den Tag. "Ich glaube, dass es Fortschritte gibt", sagte der palästinensische Ministerpräsident Ismail Haniyeh am Freitag in Gaza unter Berufung auf ägyptische Vermittler. Auch der israelische Infrastrukturminister Benjamin Ben-Eliezer zeigte sich nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zuversichtlich. "Ich kam optimistisch aus Kairo zurück und bleibe es auch. Zu den Details möchte ich lieber schweigen", sagte er.

Die in London ansässige Zeitung "Al Hayat" berichtete, ägyptische Vermittler kämen bei der Vereinbarung einer Freilassung des Soldaten im Austausch gegen mehrere hundert in Israel inhaftierte Palästinenser voran. Hamas-Führer Khaled Mashaal (Mechaal) werde in der kommenden Woche in Kairo zu Gesprächen über den Deal erwartet. Ein ranghohes Hamas-Mitglied in der syrischen Hauptstadt Damaskus wies dies zurück. Es gebe keine offizielle Einladung und niemand werde nach Kairo reisen, sagte Mussa Abu Marzouk. Auch von israelischer Seite hieß es, es gebe keine Fortschritte bei den Bemühungen um Shalits Freilassung. (APA/AP/dpa)

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