Gewissensbisse

27. Oktober 2006, 17:00
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Mehr als die Hälfte der heimischen Manager fühlt sich manchmal zu Handlungen gedrängt, durch die sie in innere Konflikte geraten

Mehr als die Hälfte der heimischen Manager hat Gewissensbisse. Sie fühlen sich – zumindest manchmal – zu Handlungen gedrängt, durch die sie in innere Konflikte geraten. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Wiener Gruppe für Integritätsmanagement und gesellschaftliche Verantwortung unter 150 Führungskräften.

Wem das schlimm vorkommt: Es ist besser. Besser als noch vor zehn Jahren, da hatten nämlich 74 Prozent der Manager Gewissensbisse. Wer meint, dass Führungskräfte heute abgestumpfter seien oder ihr Gewissen weniger laut rufe, der irrt, erklärt Studienautor Matthias Karmasin: Bei einer Entscheidungsfindung zwischen Gut und Böse, sagt er, orientieren sich heute 93,3 Prozent am eigenen Gewissen. Das sei ein gutes Fünftel mehr als noch vor zehn Jahren.

Corporate Social Responsibility

Das Abnehmen der inneren Konflikte der Chefs führt die Studie eindeutig auf die Zunahme von Ethikeinrichtungen in den Unternehmen zurück. 68 Prozent sehen die so genannte Corporate Social Responsibility (CSR) als Chance und als "Chefsache". Von einer solchen nachhaltigen Ausrichtung erwarten sich die Manager vor allem Verbesserungen bezüglich der Mitarbeiterzufriedenheit, der Mitarbeiterbindung und des Unternehmenswertes. Ökonomische Motive stehen also im Vordergrund.

Wo sehen Manager aber selbst "unmoralische Handlungsweisen"? Laut dieser Studie vor allem dort, wo der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens geschadet wird: 67 Prozent finden das Entwenden von Material sehr verwerflich. Es folgt das "Krankfeiern" mit 64 Prozent. Die Beurteilung von Umweltbelastung hat sich in den vergangenen Jahren hin zur "Verwerflichkeit" gesteigert, ebenso die Weitergabe von "Fehlinformationen an die Presse".

Interessant: Zwar nennen fast 40 Prozent der Manager die zehn Gebote als Entscheidungskriterium. Nebeneheliche Beziehungen und gezielter Waffengebrauch werden aber nicht als besonders problematisch betrachtet. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 28./29.10.2006)

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