Handyhersteller BenQ räumt Probleme beim Kundenservice ein

6. November 2006, 13:54
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Siemens lehnt Aufstockung des Hilfsfonds für BenQ-Beschäftigte ab

Der insolvente deutsche Handyhersteller BenQ Mobile kämpft nach seiner Pleite nun auch mit Problemen im Kundenservice. Seit etwa zwei Tagen würden defekte Geräte nicht oder nur sehr eingeschränkt repariert, sagte BenQ-Sprecher Stefan Müller am Freitag und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht von "Focus Online". Allerdings ist laut Müller davon nicht die gesetzliche Gewährleistung berührt, wie es in dem Bericht heißt, sondern Leistungen des Kundenservices.

Lösung in Arbeit

"Wir arbeiten an einer Lösung, so dass das Problem spätestens Mitte nächster Woche wieder behoben sein wird", versicherte Müller. Die Probleme beträfen die für Service und Reparaturen zuständige BenQ-Tochter Inservio, für die auch ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden sei. Als Grund für die Schwierigkeiten, die schon einmal Ende September auftraten, nannte Müller ausbleibende Zahlungen des taiwanischen Mutterkonzerns. Wie viele Kunden betroffen sind, konnte er nicht sagen.

Siemens habe mittlerweile mehr als 50 Mio. Euro in den Hilfsfonds eingebracht

Der Elektrokonzern Siemens sieht unterdessen bei der Unterstützung für die Beschäftigten des insolventen Unternehmens nun die taiwanesische Konzernmutter in der Pflicht. Siemens habe mittlerweile mehr als 50 Mio. Euro in den Hilfsfonds eingebracht, obwohl es keinerlei juristische Verpflichtung gebe, sagte Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte". Der Konzern sei auch seinen Aktionären verpflichtet.

200 Mio. gefordert

Die taiwanesische BenQ hatte die frühere Handy-Sparte vor etwa einem Jahr von Siemens übernommen, nach hohen Verlusten aber vor einigen Wochen den Geldhahn zugedreht. BenQ Mobile stellte daraufhin Ende September Insolvenzantrag. Rund 2.000 der 3.000 Mitarbeiter in Deutschland haben ihren Arbeitsplatz verloren. In Österreich sind vorläufig 30 der insgesamt 43 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet worden, das Unternehmen will so viele Mitarbeiter wie möglich halten. In Deutschland sind zwei Auffanggesellschaften für Bayern und Nordrhein-Westfalen geplant, deren Gesamtfinanzierung aber noch nicht gesichert ist. Die IG Metall hatte ein Nothilfe-Programm über 200 Mio. Euro von Siemens als früherem Besitzer verlangt.

Einsatz

Siemens hatte 35 Mio. Euro für den Hilfsfonds zur Verfügung gestellt. 25 Mio. Euro davon sollen in die Finanzierung der Auffanggesellschaften fließen. Etwa ebenso viel will der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Prager zur Verfügung stellen. Er kann dabei auf Geld zurückgreifen, dass Siemens noch an BenQ zahlen muss und das derzeit auf einem Treuhandkonto liegt. Von Pierer forderte den BenQ-Konzern zum Handeln auf. Das Unternehmen sei in Deutschland Verpflichtungen eingegangen und müsse diese nun auch erfüllen, sagte der Aufsichtsratschef. Er habe sich in den vergangenen Tagen bei der taiwanesischen Regierung dafür eingesetzt, "dass man die Leute, die das ganze Desaster zu verantworten haben, auch für die Folgen verantwortlich macht." (APA)

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