Alpenverein akzeptiert Kraftwerksprojekt der Tiwag

31. Oktober 2006, 10:56
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Widerstand von Bürgerinitiativen und Umweltschutzorganisationen zum Trotz wird in Tirol gebaut

Innsbruck - Der Österreichische Alpenverein (OeAV) hat das Kraftwerksprojekt Sellrain-Silz der Tiwag (Tiroler Wasserkraft AG) akzeptiert. Das Projekt stieß als eines von insgesamt vier geplanten Kraftwerksprojekten in Tirol bis zuletzt auf Widerstand von zahlreichen Bürgerinitiativen und Umweltschutzorganisationen. "Nach heißen Jahren, mit mehr als zwanzig mitunter harten Verhandlungen, sind wir zu einem Ergebnis gekommen, mit dem beide leben können", stellte Peter Grauss, Präsident des Alpenvereins am Freitagmorgen auf einer Pressekonferenz fest.

Frühestens in zehn Jahren

Den Kraftwerksausbau im Kaunertal, den Neubau in Raneburg-Matrei und Malfon könne die Tiwag laut Peter Haßlacher, Leiter der Abteilung Raumplanung-Naturschutz vom Alpenverein, realistisch erst in zehn bis 15 Jahren ins Auge fassen. Wirtschaftlich sei die Tiwag mit dem Projekt Sellrain-Silz für einige Zeit ausgelastet. Außerdem würden die anderen Projekte erst noch "langwierige" UVP-Verfahren (Umweltverträglichkeitsprüfung) durchlaufen müssen. Den Neubau in Osttirol Raneburg-Matrei oder auch die seit kurzem diskutierte Alternative Landegg/Tauernbach halte er nicht für verwirklichbar. "Es wird in dieser Region immer schwere Auseinandersetzungen geben".

Moränenschutz

Im Kaunertal seien Moränen vom Ausbau betroffen und der Moränenschutz sei gesetzlich verankert. Außerdem seien in diesem Gebiet für die Tiwag nicht genügend Speicherräume vorhanden. "Der Alpenverein sieht hier keinen Handlungsbedarf", stellte Haßlacher fest.

Bemühen um politische Zusicherung

Der Alpenverein betonte, dass die Verhandlungen mit der Tiwag einige Erfolge gebracht hätten. Beim Projekt Sellrain-Silz würden die Gletscherbäche im Gschnitztal und auf der Sulzenaueralm - bei beiden Gebieten ist der Alpenverein Grundeigentümer - nicht herangezogen. Im Kaunertal habe man die Zusicherung, dass die hoch gelegenen Bäche von der Bachfassung verschont bleiben würden. Man werde aber auch in Zukunft ein Auge auf die Entwicklungen der Pläne der Tiwag haben. Vor allem bemühe man sich um eine politische Zusicherung, dass bei kommenden Projekten eine klare Trennung zwischen Schutzgebieten und Wasserkraftausbaugebieten getroffen wird. Diesbezügliche Gespräche habe es aber bisher nicht gegeben. (APA)

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