Auf Schritt und Tritt

27. Oktober 2006, 12:48
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Näheres zum Vorgehen der Cobra-Beamten in Fällen wie der mutmaßlich geplanten Entführung der Kristall-Erbin

Wien - Jedes Jahr werden in Österreich rund 1.000 Menschen - wie die Familie Grasser-Swarovski - unter Personenschutz gestellt. Die Bedrohten werden von der Cobra rund um die Uhr beschützt. Wie Cobra-Kommandant Bernhard Treibenreif erklärte, muss die Bewachung genauestens geplant sein. Dazu müssen die Beamten den Tagesablauf der Betroffenen detailliert kennen.

"Beim Personenschutz wird eine Begleitsicherung durchgeführt. Das heißt, dass jeder Schritt, jede Fahrt und jede Bewegung der zu bewachenden Person durch Begleitschutz gesichert wird", sagte Treibenreif. Egal, was dieser Mensch macht, ob beim Einkaufen oder zu Hause, die Cobra-Beamten sind immer dabei. Es gibt nicht nur den unmittelbaren Schutz - das sind jene Cobra-Leute, die sich in unmittelbarer Nähe der Person aufhalten-, sondern auch Beamte, die für den zu Beschützenden nicht sichtbar sind.

Enger Kontakt

Um und Auf eines Personenschutzes ist der Tagesablauf des betroffenen Menschen: "Es muss genau abgesprochen sein. Die Beamten und der zu Beschützende müssen ein eingespieltes Team bilden, es herrscht ein sehr enger, sehr persönlicher Kontakt." Alle Routen und Wege des Bewachten werden besprochen, im Notfall gibt es Änderungen.

Jede Umgestaltung des Tagesablaufs sollte so schnell wie möglich bekannt gegeben werden, damit die Beamten schnell reagieren können, sagte Treibenreif. So muss auch die Kleidung des Bewachten mit den Cobra-Leuten übereinstimmen - Anzug, Smoking oder legerer Aufzug. "Sonst schaut's blöd aus, wenn die bewachte Person mit Jeans zum Einkaufen geht und die Personenschützer stehen im schwarzen Anzug daneben", meint der Spezialist. Bei höchst gefährdeten Personen wird abgewogen, ob man öffentliche Einrichtungen dann überhaupt besucht.

Who is Who-Liste

Bewacht werden zum Beispiel gefährdete Staatsgäste - das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) macht zuvor eine Gefährdungsanalyse -, Unternehmer, die erpresst werden oder Staatsanwälte sowie Richter, die vor Prozessen - wie etwa gegen den mutmaßlichen polnischen Mafia-Paten Jeremiasz Baranski - Morddrohungen erhalten. Aber auch der damalige internationale Bosnien-Beauftragte Wolfgang Petritsch wurde für längere Zeit von den Cobra-Beamten beschützt. Sie lebten sogar mit der Familie in Sarajevo. Und als Anfang der neunziger Jahre der Schriftsteller Salman Rushdie in Wien war, wurde von Seiten der Cobra ein Doppelgänger aus den eigenen Reihen abgestellt, um etwaige Attentäter abzulenken.

In Deutschland ist es bereits weit verbreitet, dass Großindustrielle privaten Schutz engagieren. "Ein gutes Geschäft für die privaten Sicherheitsunternehmen", meinte Treibenreif. "Gott sei Dank ist aber Österreich ein sehr sicheres Land", so der Cobra-Chef. Eine Zunahme der Entführungsfälle bzw. von Plänen für Kidnapping habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Der Personenschutz ist laut Treibenreif ein Hauptstandbein der Cobra neben ihren gefährlichen Einsätzen. (APA)

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