Bosnischer Vergewaltigungsprozess fortgesetzt

3. Juli 2000, 15:33

Sexuelle Gewalt als Schlüsselelement zur Vertreibung im Bosnien-Krieg eingesetzt

Den Haag - Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat am Montag mit einer Entscheidung im so genannten Foca-Prozess die Praxis internationaler Gerichte bestätigt, Vergewaltigung als Kriegsverbrechen zu betrachten. Im Prozess gegen drei bosnische Serben, die im Bosnien-Krieg systematisch moslemische Frauen vergewaltigt haben sollen, wiesen die Richter einen Antrag der Verteidigung ab, die gefordert hatte, den Anklagepunkt der Folter gegen zwei Mandanten fallen zu lassen.

Der Foca-Prozess ist der erste Prozess wegen Vergewaltigung vor dem Kriegsverbrechertribunal. Radomir Kovac, Dragoljub Kunarac und Zoran Vukovic werden insgesamt 33 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Kunarac und Vukovic wird zudem Folter vorgeworfen.

Die Angeklagten sollen zu Beginn des Bosnien-Krieges in Foca, rund 30 Kilometer südöstlich von Sarajewo, an mehreren Orten Frauen gefangen gehalten und sie wiederholt zum Sex gezwungen zu haben, auch mit mehreren Männern. Eines der Opfer war erst zwölf Jahre alt. Seit Prozessbeginn am 20. März haben 16 misshandelte Frauen über ihre Erlebnisse in Foca ausgesagt.

Strategisches Schlüsselelement

Die Anwälte der Serben hatten erklärt, dass unabhängig von den Vergewaltigungen keine Beweise für Folter vorgebracht worden seien. Außerdem seien die sexuellen Übergriffe nicht erfolgt, um an Informationen oder Geständnisse zu gelangen. Die Vertreter der Anklage haben jedoch immer wieder die Ansicht vertreten, dass Vergewaltigungen im Bosnien-Krieg ein strategisches Schlüsselelement für die Vertreibung der moslemischen Bevölkerung gewesen seien. Mit einem Urteil wird nicht vor Jahresende gerechnet. Im Falle eines Schuldspruchs droht den Angeklagten lebenslange Haft. (APA)

Share if you care.