Nokia: Benq-Pleite ist ein Gelegenheit, Marktanteile zu gewinnen."

15. Juni 2007, 13:21
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Wer will schon ein teures Multimedia-Handy kaufen, wenn die Funktionen nicht benutzt werden? Der Handel soll die Kunden dabei schulen, sagt Nokias Österreich Chef Martin Pedersen

Fast wirkt es wie ein Einstandsgeschenk für Martin Pedersen, seit wenigen Monaten Geschäftsführer des finnischen Handy-Weltmarktführers Nokia in Österreich und der Schweiz: Benq Mobile - Erbe von Siemens - ist insolvent. "Natürlich ist es eine Gelegenheit, Marktanteile zu gewinnen."

sparsam

Wie groß der Gewinn sein könnte, will Pedersen nicht sagen, wie überhaupt von Nokia (wie anderen internationalen Unternehmen) nur sparsam Einblick in Landeszahlen gewährt wird.

Dahin

Aber der Löwenanteil des einstigen Siemens-Marktanteils in Österreich, in guten Zeiten über 30 Prozent, ist ohnehin schon dahin: Im September waren, Marktbeobachtern zufolge, gerade noch 7,9 Prozent aller Handys in Österreich von Benq Siemens, während der Anteil Nokias 46,6 Prozent war, gefolgt von Sony Ericsson (16,6), Motorola (16) und Samsung (10 Prozent).

"Emerging Markets"

Die goldenen Zeiten scheinen in den übersättigten Märkten vorbei zu sein, das Wachstum findet in "Emerging Markets" und Entwicklungsländern statt, wo Handys billiger sein müssen - eben erst legte Nokia seinen Quartalsbericht vor, der einen Rückgang des durchschnittlich erzielten Verkaufspreises von über 100 auf 93 Euro auswies. Ist in einem Markt wie Österreich noch Wachstum zu erzielen?

Pedersen: "Wir sind ein Wachstumsunternehmen, das hat sich auch im westeuropäischen Markt nicht geändert." Anteile gewinnen sei ein Teil der Strategie, teurere "Multimedia-Computer" - Handys mit Kamera, Musikgerät, Internetzugang - verkaufen der andere.

Viel zu tun

Dabei, räumt Pedersen ein, ist noch viel zu tun, denn die Geräte wollen erst gelernt werden, ehe sie einen Massenmarkt erreichen. "50 Prozent der User verwenden die vielen Funktionen ihrer Terminals nicht, das müssen wir ihnen erst beibringen." Denn natürlich sei es "sinnlos", zum Telefonieren und SMS-Schreiben ein teures Gerät wie das N73 zu kaufen, gegenwärtig Nokias Allround-Flaggschiff.

Zusammenarbeit

Darum intensiviere Nokia seine Zusammenarbeit mit dem Handel, der quasi das Klassenzimmer für Konsumente werden soll. "Die Händler müssen in der Lage sein, ihre Kunden zu trainieren, damit dieser Multimedia-Markt in Schwung kommt." Mit 16 ausgewählten Händlern werde man im November dieses Konzept umsetzen, das Kunden ermöglichen soll, im Laden alle Funktionen auszuprobieren, Bilder auszudrucken, Hilfe zu bekommen. "Das bringt auch den Händlern mehr Geschäft." Für einen Flagship-Store, wie sie Nokia derzeit in einer Hand voll Metropolen einrichtet, sei Österreich aber zu klein.

Gute Anzeichen für diese Entwicklung sieht Pedersen im steigenden Verkauf vertraglich nicht gebundener (und damit unsubventionierter) Geräte, meist am teureren Ende der Skala. "Das hat sich 2006 verdoppelt, auf rund zehn Prozent aller Geräte."

"Das hat mehr mit den Angeboten der Betreiber zu tun als mit uns"

Musik am Handy, einer der erhofften Wachstumsbeschleuniger, "ist noch immer eine Herausforderung". "Das hat mehr mit den Angeboten der Betreiber zu tun als mit uns", sagt Pedersen, bei einigen gebe es Fortschritte. ",3' hat ein gut funktionierendes Downloadservice. Aber es braucht Zeit, das Verhalten der Konsumenten zu ändern."

TV am Handy ist trotz Start des terrestrischen digitalen TV noch "weiter weg. Hier wird einiges an Versuchen passieren, aber vor Ende 2007 wird es kein kommerzielles Angebot geben", schätzt Pedersen. (Heltmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 27. ktober 2006)

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