Maliki: Frieden im Irak in sechs Monaten möglich

27. Oktober 2006, 22:03
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Regierungschef fürchtet keine Entmachtung durch Bush - Kein mit USA abgestimmter Zeitplan

Bagdad - Die Gewalt im Irak könnte nach Ansicht von Ministerpräsident Nuri al-Maliki schneller als von den USA erwartet unter Kontrolle gebracht werden. Voraussetzung sei jedoch, das die USA mehr Waffen zur Verfügung stellten und dem Irak mehr Befugnisse über seine eigenen Truppen einräumten, sagte Maliki am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Dann sei es möglich, binnen sechs Monaten die Sicherheit zu gewährleisten. Zugleich wies der Regierungschef die Darstellung der USA zurück, wonach er nach einem mit der US-Regierung abgestimmten Zeitplan arbeite.

Die USA gingen davon aus, dass es noch zwölf bis 18 Monate dauere, bis irakische Streitkräfte für Sicherheit sorgen könnten, sagte Maliki. "Aber wenn, wie wir es fordern, der Wiederaufbau unserer Streitkräfte in unsere eigenen Hände gelegt wird ... könnten sechs Monate ausreichen". Nach dem Ablauf des Mandats der US-geführten Koalitionstruppen im Dezember müssten die Iraker mehr Zuständigkeiten erhalten. "Wenn irgendjemand für die schlechte Sicherheitslage im Irak verantwortlich ist, dann ist es die Koalition", sagte Maliki.

Aufständische besser gerüstet

Er sei zwar Oberbefehlshaber der Streitkräfte, dennoch könne er wegen des UN-Mandats nicht eine einzige Kompanie ohne Zustimmung der Koalition in Bewegung setzen, kritisierte Maliki. Zugleich beklagte er, dass die Aufständischen besser ausgerüstet seien als Polizei und Armee. "Mir geht es nicht um moderne Panzer oder moderne Kampfflugzeuge und Raketen. Mir geht es um eine gut ausgebildete Armee, die schnell und leichtfüßig und mit mittelschweren Waffen ausgerüstet ist."

Trotz der jüngsten Äußerungen von US-Präsident George W. Bush fürchte er nicht, von dessen Regierung entmachtet zu werden, sagte Maliki. Bush hatte erklärt, seine Geduld sei nicht unbegrenzt. Er werde Maliki so lange unterstützen, so lange dieser harte Entscheidungen treffe. Maliki sagte, es gebe keinen mit den USA verabredeten politischen Zeitplan. Diese von US-Botschafter Zalmay Khalilzad benutzte Formulierung sei "nicht akkurat". Es gebe keinen Zeitplan für die Regierung, aber es gebe Probleme, die diese lösen müsse. (APA/Reuters)

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    Iraks Regierungschef Nuri al-Maliki wies die Darstellung der USA zurück, wonach er nach einem mit der US-Regierung abgestimmten Zeitplan arbeite.

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