Kabila-Verbündeter wird festgehalten: Mindestens vier Tote

27. Oktober 2006, 15:16
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Schusswechsel in Gbadolite im Nordwesten des Landes - Bemba: Würde Niederlage akzeptieren - Solana ruft zu Wahlbeteiligung auf

Kinshasa - Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften der beiden Präsidentschaftsbewerber im Kongo sind am Donnerstag mindestens vier Menschen getötet worden. Wie das Informationsbüro der UNO-Truppe in der Demokratischen Republik Kongo (MONUC) mitteilte, handelt es sich bei den Toten um einen Angehörigen der Sicherheitstruppe von Vizepräsident Jean-Pierre Bemba und drei Polizisten. Ein Angehöriger der mit Präsident Joseph Kabila verbündeten Sicherheitstruppe von Nzanga Mobutu sei verletzt worden.

Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge in Gbadolite im Nordwesten des Landes. Die genauen Umstände waren unklar. Übereinstimmenden Berichten zufolge sollen die ersten Schüsse gefallen sein, als Mobutu in Begleitung von Sicherheitskräften in die Räume von dem Bemba gehörenden Radio Liberté eindrang. Daraufhin hätten sich Sicherheitskräfte Bembas und Polizisten eingeschaltet.

Verhandlungen

Der Bruder von Nzanga Mobutu, Philippe Albert Mobutu, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es auch ein Zivilist getötet worden. Sein Bruder befinde sich noch immer in den Redaktionsräumen, die von Sicherheitskräften Bembas umstellt seien. Es liefen Verhandlungen, um seinen Bruder freizulassen. Nzanga Mobutu ist der Sohn des ehemaligen Diktators Mobutu Sese Seko.

Kabila und Bemba treten am Sonntag in einer Stichwahl um das Präsidentenamt im Kongo gegeneinander an. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der ersten Wahlrunde war es im August zu Ausschreitungen gekommen, bei denen mindestens 23 Menschen starben. Der amtierende Präsident Kabila erhielt in der erste Wahlrunde 44,8 Prozent, Bemba kam auf 20 Prozent der Stimmen.

"Entscheidung akzeptieren"

Bemba sagte am Donnerstag vor Journalisten, er würde eine mögliche Wahlniederlage akzeptieren. Bedingung dafür sei allerdings, dass die Wahlen frei, demokratisch und transparent verliefen. In diesem Fall "werden wir die Entscheidung der Bevölkerung akzeptieren und in die Opposition gehen". Bemba betonte dennoch seine Siegesgewissheit, sagte aber, "auch in der Opposition kann man das Land aufbauen, solange es eine Demokratie ist".

EU-Chefdiplomat Javier Solana rief die Kongolesen unterdessen zu einer hohen Wahlbeteiligung auf. Die Wahl sei von "historischer Bedeutung", erklärte er in Brüssel. "Wenn das kongolesische Volk in Frieden und Würde zu den Wahlurnen schreitet, wie es dies auch schon bei der ersten Runde der Wahlen getan hat, hat es die Chance, Frieden, Stabilität und Wohlstand wiederzugewinnen." Er fügte hinzu, besonders die beiden Präsidentschaftskandidaten hätten eine große Verantwortung gegenüber ihrem Volk und dem afrikanischen Kontinent. Solana versprach dem Land außerdem die Unterstützung der Europäischen Union auch nach den Wahlen. Zur Zeit unterstützt die EU-Mission EUFOR die UNO-Friedenstruppe MONUC mit rund 1200 Soldaten.

Aufruf zur Ruhe

Die MONUC hatte am Mittwoch die beiden Kandidaten aufgefordert, ihre Anhänger öffentlich zur Ruhe aufzurufen. Weiterhin ermahnte die MONUC beide Bewerber, "dass sie nicht ihr Verhalten von der ersten Runde wiederholen und sich selbst einseitig zum Wahlgewinner erklären", sagte Sprecher Jean-Tobie Okala am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Kinshasa. Nach der Verkündung der Wahlergebnisse der ersten Runde hatten sich Anhänger Kabilas und Bembas Kämpfe mit schweren Waffen geliefert. Dabei waren mindestens 23 Menschen getötet worden. (APA)

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