China: Auf "kleinem Fuß" weiterleben

31. Oktober 2006, 10:56
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Industrielle Umweltschädigungen nehmen zu - WWF: Mehr noch könnte die Ausbreitung des westlichen Lebensstils schaden

Peking - Bei der Stadt Lanzhou verfärbte sich der Gelbe Strom in rostbraunes Rot. Die Anwohner hatten Einleitungen aus dem Heizungswerk im Verdacht. Dies ist nur der jüngste in einer Reihe von Umweltschäden, die chinesische Öffentlichkeit hat sich daran schon gewöhnt.

Für den World Wildlife Fonds (WWF) steht das bedrückende Ausmaß an Umweltzerstörung und Plünderung der Ressourcen im Entwicklungsland China in keinem Verhältnis zu den Folgen, die entstünden, wenn sich das Reich der Mitte oder das ebenso gigantische Indien dem "american way of life" verschreiben würden. Dann reichten zur Mitte des Jahrhunderts fünf Planeten nicht mehr aus, um die Rohstoff- und Energiebedürfnisse einer einzigen Menschheit befriedigen zu können. In der bescheideneren, europäischen Variante bräuchte man drei Planeten. "Wenn alle so weiterleben wie bisher, brauchen wir zwei Welten, oder doppelt so viele Ressourcen, als eine Erde zur Verfügung stellt", sagte WWF-Vorsitzender James Leape.

Der Mensch lebt "auf zu großem Fuß für unsere Natur". Auf diese einfache Wahrheit reduziert sich der neue WWF-Bericht "Living Planet Report". Der WWF stellte ihn dieser Tage erstmals in China vor.

Ressourcenabbau

Hinter seiner Kernaussage verbergen sich detaillierte Beobachtungen und Messungen zurückbildender Ökosysteme und der Abnahme an biologischer Vielfalt. "Unsere Studien sind alarmierend. Wir bauen unsere natürlichen Ökosysteme in einem Tempo ab, wie es in unserer Geschichte noch nie vorkam", sagte Leape. Mit Stichjahr 2003 nutzt die Menschheit pro Jahr inzwischen 25 Prozent mehr Ressourcen, als sie im gleichen Zeitraum regenerieren kann. Die Vielfalt biologischen Lebens nahm seit 1970 um rund ein Drittel ab.

Der WWF erschöpft sich nicht in düsteren Prognosen. Gegen die größer werdende "Fußspur", die der Mensch hinterlässt, gebe es Alternativen. Einer der Hebel sei die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zur Energiegewinnung . Klimaändernde Emissionen erreichten inzwischen Spitzenwerte von 48 Prozent der "Fußspur". Die Technologien zur ihrem Abbau seien bekannt und müssten durchgesetzt werden, fordert der WWF. (Johnny Erling, DER STANDARD - Printausgabe, 27. Oktober 2006)

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    Wenn Industrieabwässer den Gelben Fluss in China rot färben, regt das kaum noch jemanden auf. Der WWF warnt indessen vor zu raschem Ressourcenabbau.

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