Psychogramm eines Bombenbastlers: Martin Puntigam brilliert

26. Oktober 2006, 19:11
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Mit dem teuflischen Monolog "Luziprack" gelingt dem Kabarettisten ein erschreckendes Psychogramm

Wien - Dass der Mann, der auf der Bühne des Kabaretts Niedermair steht und behauptet, ein friedlicher Mensch zu sein, mit Vorsicht zu genießen ist, ahnt man bereits: Martin Puntigam trägt Oberlippenbärtchen, eigenwillig in Form gebracht, Halsketterl und eine sicher urcoole Sonnenbrille. Wie alle seine Helden, die sich mit der Zeit als Psychopathen und Terroristen des Alltags entpuppen, beginnt auch dieser namenlose Versicherungsmakler, frei von der Leber zu plaudern - und immer tiefer in seine Seele blicken zu lassen.

An sich hält er gar nichts davon, wieder zurück aufs Land zu ziehen, ins Haus des Vaters, aber dieser, Witwer geworden, bietet viel Geld, um versorgt zu sein, wenn er einmal ein Pflegefall werden sollte. Bei ihm zu Besuch, erwägt der Erzähler, ein hoch gebildeter Familienvater, die Pros wie Contras. Beim Stöbern im Mistkübel wird er mit Relikten seiner Jugend, einem Survivalmesser und dem Tagebuch, konfrontiert: Er erinnert sich an die wüsten Nächte im Tanzcafe Domino, wo er gern auf den Luziprack, wie das genial gebaute Programm auch heißt, eindrosch und ein Mädchen zu vergewaltigen versuchte.

Von seiner Familie redet er, der Hightech-Freak mit Faible für Schlachten und das römische Reich, mit Respekt, der nichts anderes ist als Verachtung. Seine Frau zum Beispiel, eine Flirttrainerin, hat, wie ein gutes Auto, "viele Extras serienmäßig", darunter die Bereitwilligkeit. Sex in den verschiedensten Spielarten bis hin zur Abartigkeit: Das ist die Triebfeder unter dem Deckmäntelchen der Normalität. Mit der Zeit verliert dieser Herr Karl einer neuen Zeit jegliche Scheu, seine Allmachts- und Gewaltfantasien auszubreiten, die er, wie er behauptet, auch umgesetzt hat.

Teuflischer Monolog

Aufgerüstet mit Nachtsichtgerät und Richtmikrofon bekriegt er, nach der Pause bereits am Land lebend, seinen Nachbarn. Das klingt ein wenig nach den witzigen Schlachten, die sich Donald Duck bei Carl Barks geliefert hat, doch das Lachen bleibt einem bei Martin Puntigam im Hals stecken: Man nimmt dem selbstherrlichen Wirtschaftsethnologen, auch wenn er absurderweise wegen einer verlorenen Wette ein rotes Dirndl trägt, ab, dass er firm ist im Demütigen und Bombenbasteln.

Abgründige Figuren entwickeln auch andere Kabarettisten. Mit dem teuflischen Monolog Luziprack gelingt Puntigam aber ein in der Tat erschreckendes Psychogramm. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.10.2006)

  • Martin Puntigam
    foto: lukas beck

    Martin Puntigam

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