Schröder wäre gerne geblieben

31. Oktober 2006, 15:22
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Altkanzler präsentiert Memoiren - "Es ist die historische Wahrheit"

Berlin - Dutzende Journalisten und Weggefährten, Blitzlichtgewitter und über allem wacht die große Statue von Willy Brandt. Am Donnerstag ist es in der Berliner SPD-Zentrale ein bisschen wie früher, als Gerhard Schröder noch deutscher Regierungschef war. Nachdem Bild und Spiegel bereits Vorabdrucke gebracht hatten, bittet der nunmehrige Altkanzler a.D. zur Präsentationen seiner Memoiren "Entscheidungen. Mein Leben in der Politik" (Hoffmann und Campe, 544 Seiten, 25 Euro).

Ex-Medienkanzler Schröder fühlt sich im überfüllten SPD-Haus sichtlich wohl, zumal sogar ein Christdemokrat angereist ist, um die Laudation auf den Bestsellerautor in spe abzuhalten: Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker. Der erklärt auch gleich, warum Schröder seine Memoiren so hurtig abgeliefert hatte: "Er möchte sich die Deutungshoheit über seine Kanzlerschaft sichern." Ob er gerne noch Bundeskanzler der jetzt amtierenden großen Koalition geworden wäre, wird Schröder gefragt. Ja, für "eine nicht allzu lange Zeit" hätte er "diese politische Konstellation" schon geführt, erwidert dieser.

Stattdessen ist nun im Buch nachzulesen, wie das war in jenen dramatischen Stunden, als Schröder und SPD-Chef Franz Müntefering beschlossen, Neuwahlen auszurufen, weil die SPD in den Umfragen immer tiefer nach unten rutschte. "Franz, was ist, schaffen wir das?" hat Schröder "Münte" damals gefragt, als die SPD im Mai 2005 auch noch Nordrhein-Westfalen verlor, aber im Bundestag noch jede Menge Reformvorhaben anstanden. Und der antwortet: "Ich bin nicht sicher." Also schreibt Schröder: "Es ist die historische Wahrheit, wir haben das gemeinsam entschieden: auf Neuwahlen zu setzen." (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2006)

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