Kommen und Gehen im Hohen Haus

26. Oktober 2006, 23:17
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"Den Sitzungssaal haben wir uns größer vorgestellt"

Wien - Im Parlament herrschte vier Tage vor der Konstituierenden Sitzung des Nationalrats nicht nur in politischer Hinsicht ein Kommen und Gehen. Mehrere tausend Neugierige strömten am Nationalfeiertag in das Hohe Haus und schauten sich ganz genau an, was die Politiker dort treiben. Begrüßt wurden sie vom scheidenden Nationalratspräsidenten Andreas Khol (V) und seiner Nachfolgerin Barbara Prammer (S), die dabei auch über den aktuellen Streit um die Sitzordnung aufklärten.

Prammer und Khol blieben auch sonstige Fragen und Kommentare nicht erspart. Das Volk wollte alles ganz genau wissen: wann und wieso wird renoviert, wer sitzt wo, wie laufen die Plenarsitzungen ab und wie geht es mit den Koalitionsverhandlungen weiter. Die Neugierde verwundert nicht, denn viele besuchten heute zum ersten Mal das Parlament, wie Prammer mit Verwunderung im Gespräch mit der APA feststellte, um sich gleich wieder geduldig ihren Besuchern zu widmen.

"Renovierungsbedürftig"

Guten Eindruck machen tat angesichts mancher Kommentare auch Not - so fand etwa ein Linzer Ehepaar eine Parallele zwischen der Politik und dem Sitzungssaal: "Beide sind renovierungsbedürftig." Die meisten Besucher waren aber doch milder gestimmt und freuten sich einfach, einmal das Hohe Haus von innen zu sehen - und noch mehr, wenn sie dabei auch Politiker zu Gesicht bekamen. Wenn aber gerade keiner zugegen war, boten die Parlamentsmitarbeiter exklusive Hintergrundinformationen auf.

So wie die Fragen waren auch die Beweggründe der Besucher nicht immer gleich. Während zwei 17-jährige Schüler aus Wien so zu sagen ihre Pflicht "als Österreicher" wahrnahmen, wurden die ausländischen Touristen eher vom großen Andrang auf der Rampe angezogen, wie etwa eine dreiköpfige indische Familie. Die Neugier war jedenfalls bei allen groß, es wurden Möbel genau inspiziert und hinter allen Türen geblickt. Ein erschöpftes Wiener Ehepaar hätte auch gerne die Stühle der Abgeordneten ausprobiert, aber so weit ging die Freizügigkeit am Tag der offenen Tür dann doch nicht. Für die geplante Renovierung des Sitzungssaals zeigten viele Verständnis, hatten sie sich diesen doch "aus dem Fernsehen größer vorgestellt".

Das Parlament hatte bis 17.00 Uhr seine Tore geöffnet. Der anfangs aufgeregt wirkende Khol musste allerdings aus terminlichen Gründen vorzeitig den Schauplatz verlassen, Prammer wollte hingegen bis zum Schluss die Stellung halten. (APA)

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