"DVD-Jon" hackt Apples iTunes-Kopierschutz

9. Juli 2007, 11:31
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Songs können auf Playern von Konkurrenten abgespielt werden - Neues Geschäftsfeld soll erschlossen werden

Ein bekannter norwegischer Hacker hat nach eigenen Angaben Apples Kopierschutz "FairPlay" geknackt und will die Barrieren zwischen den Musikangeboten verschiedener Anbieter einreißen. Mit dem Software-Code von Jon Lech Johansen könne Musik anderer Anbieter auf Apples iPod-Playern abgespielt werden, sagte seine Geschäftspartnerin Monique Farantzos dem Branchendienst "c'net".

Umgekehrt

Umgekehrt könnten damit auch in Apples Online-Shop iTunes gekaufte Songs, die eigentlich nur zur Wiedergabe auf den iPods bestimmt sind, auf Playern von Konkurrenten gehört werden. Apple kommentierte die Angaben nicht. Der heute 22-jährige Johansen hatte als Teenager den Kopierschutz der DVD geknackt und dafür den Spitznamen "DVD-Jon" bekommen.

Geschäftsidee

Das Geschäftsmodell von Apple basiert darauf, dass im iTunes-Store gekaufte Musik oder Videos nur auf iPods laufen. Da es sich in den vergangenen Jahren bewährt hat, wird es derzeit von anderen Anbietern kopiert - zum Beispiel von Microsoft für seinen MP3-Player Zune, der Mitte November kommt. Johansen und Farantzos wollen mit dem Aufbrechen der proprietären Formate Geld verdienen und haben dafür die Firma DoubleTwist gegründet.

Möglicherweise unaufhaltbar

Es ist unklar, ob Apple die neuen Möglichkeiten durch eine Software-Aktualisierung verhindern kann und ob sie rechtlich gestoppt werden können. Farantzos zeigte sich zuversichtlich, dass die Lücke in "FairPlay" nicht so leicht zu schließen sein werde. Das Prinzip erklärte sie bildhaft: Um den Song eines anderen Anbieters auf einen iPod zu bringen, "wickele" man ihn quasi in "FairPlay" ein. Und ähnlich könne ein Apple-fremder Player iTunes "vorschwindeln", dass er ein iPod sei.

Reverse Engineering

Diese Technik nennt sich Reverse Engineering. Dabei wird der Kopierschutz - in diesem Fall von Apple - zuerst zerlegt und anschließend ein neues DRM-System eingefügt. Diese Lösung soll es Lizenznehmern ermöglichen, ihren eigenen Content für den iPod zu verbreiten. Allerdings steht die Frage im Raum, ob die Vorgehensweise auch rechtens ist. Das vor Jahren eingeführte Urheberrechtsgesetz für das digitale Zeitalter (DMCA) nennt zwar legale Einsatzmöglichkeiten für das Reverse Engineering - etwa, um Interoperabilität mit anderen Software-Produkten herzustellen - doch ob diese Ausnahmen auch dann Anwendung finden, wenn ein Kopierschutz selbst kopiert werden soll, ist schwer zu sagen.

Nicht sonderlich prozesssüchtig

Laut GigaOM war Johansen mit Apple-Boss Steve Jobs vor Monaten selbst zu Tisch um sein Vorhaben zu unterbreiten. Letzterer erklärte damals, sein Unternehmen sei nicht sonderlich prozesssüchtig. Damals wusste Jobs freilich noch nichts Konkretes über DVD Jons Vorhaben. (apa/red)

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