Hans Mayr gestorben

26. Oktober 2006, 23:25
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Früherer Wiener Vizebürgermeister war zwanzig Jahre lang Finanzstadtrat - Häupl: "Verlieren einen großen Weggefährten und Freund"

Wien - Der frühere SPÖ-Spitzenpolitiker Hans Mayr ist am Mittwoch 78jährig gestorben, gab Bürgermeister Michael Häupl am Donnerstag bekannt. SPÖ, ÖVP und FPÖ würdigten die Verdienste des Sozialdemokraten, der über zwei Jahrzehnte die Politik der Stadt maßgeblich mitgestaltete - zunächst als Finanzstadtrat und von Mitte der 80er- bis Mitte der 90er-Jahre im Gespann mit Bürgermeister Helmut Zilk auch als Vizebürgermeister und SPÖ-Vorsitzender.

Mit seinen Ideen und seiner legendären Durchschlagskraft habe Mayr den Wirtschaftsstandort Wien entscheidend geprägt, erklärte Gusenbauer gegenüber der APA. In der "legendären Ära Zilk-Mayr" habe er wesentlich dazu beigetragen, dass Wien zu einer "modernen, pulsierenden und zugleich sozialen und wirtschaftlich erfolgreichen Metropole" wurde - und zudem dafür gesorgt, dass auch die "kleinen Leute" vom Aufschwung Österreichs und der Bundeshauptstadt in den 70er-Jahren und danach profitierten.

Wirtschafts-Genie

Als das "Wirtschafts-Genie, das den Ideenreichtum 'seines' damaligen Bürgermeisters Helmut Zilk immer in adäquate finanzielle Strukturen zu bringen vermochte" würden sich Journalisten wohl an Mayr erinnern, meinte Häupl. Er würdigte seinen Vorgänger als Parteichef als "großen Weggefährten, außergewöhnlichen Wirtschaftspolitiker und wahren Freund". Die Vollbeschäftigung in Wien und massive Investitionen in den Gesundheitssektor seien "zwei der vielen Bereiche, in denen Hans Mayrs Engagement besonders spürbar war".

"Wien wäre ohne das Wirken von Hans Mayr nicht das, was es heute ist", bekundeten namens der Wiener SPÖ Klubchef Christian Oxonitsch und Landesparteisekretär Harry Kopietz "tiefe Trauer" der Wiener Partei. Die positive Entwicklung Wiens zu einer Weltstadt mit hoher Lebensqualität sei auch sein Verdienst.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) nannte Mayr einen "Kommunalpolitiker von hervorragendem Format" - und ein "Paradebeispiel für jene Aufbaugeneration, der wir gerade am heutigen Nationalfeiertag gedenken und der wir unseren aufrichtigen Dank für den erfolgreichen Weg Österreichs schulden". "Tiefe Betroffenheit" über den Tod Mayrs äußerte die Wiener ÖVP. Mayr sei ein "gestaltender Kommunalpolitiker" gewesen, der über drei Jahrzehnte Wien nachhaltig geprägt habe, so Parteichef Johannes Hahn. Mayr habe "seine sozialistischen Wurzeln nie verleugnet, war aber bei allen inhaltlichen Gegensätzen immer ein Politiker mit Handschlagqualität."

Handschlagqualität und Akzeptanz quer durch alle Parteien attestierte auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache dem Verstorbenen - in sehr positiven Worten: Die Wiener Politik verliere "einen ganz Großen, eine echte Politikerpersönlichkeit und einen der letzten Vertreter, die quer über alle Parteigrenzen das Gespräch gesucht und gefunden hat". Mayr sei "einer der letzten echten Volkspolitiker, ein großer Parlamentarier und überzeugter Demokrat" gewesen.

Der am 27. Juli 1928 in Wien-Ottakring geborene Mayr machte nach der HTL-Matura zunächst Karriere in der Pensionsversicherungsanstalt der Angestellten, wo er es bis zum Direktor brachte. Aber schon von Jugend an engagierte er sich - "in die Partei hineingeboren" - in der Sozialdemokratie. In Fünfhaus arbeitete er sich nach oben bis zum Bezirksobmann (1971), seit 1963 saß er im Gemeinderat. Mit der Berufung zum Finanzstadtrat im Jahr 1973 verlegte sich ab ganz auf die Politik. 1984 machte ihn der zum Bürgermeister avancierte Zilk zum Vizebürgermeister, ein Jahr später wurde er stellvertretender und 1988 Parteichef als Nachfolger Leopold Gratz'. 1993/94 legte Mayr, gemeinsam mit Zilk, seine Ämter zurück. (APA)

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    Hans Mayr starb mit 78 Jahren

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