Kaprun-Katastrophe: Staatsanwaltschaft Heilbronn wieder eingeschaltet

31. Oktober 2006, 09:00
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Angebliche neue Fakten gegen Firma Hydac vorgebracht

Salzburg - Der Münchner Rechtsanwalt Michael Witti hat im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Kaprun, bei der am 11. November 2000 im Stollen der Standseilbahn auf das Kitzsteinhorn 155 Menschen ums Leben gekommen waren, neuerlich die Staatsanwaltschaft (StA) Heilbronn eingeschaltet. Die Behörde ermittelt noch gegen zwei Mitarbeiter der deutschen Heizlüfterfirma Fakir. Witti schickte der StA angebliche neue Fakten zu den explodierten Tanks der Firma Hydac, die in der Akten im Kaprun-Prozess nicht vorkommen.

Witti führt in seiner Mitteilung an Oberstaatsanwalt Wolfgang Schwarz an, dass es den Privatbeteiligtenvertretern im Kaprun-Prozess bis Sommer dieses Jahres nicht möglich gewesen sei, eigene intensive technische Erhebungen am Zugwrack durchzuführen. Bei ihrer Besichtigung seien die Anwälte nun "auf sehr wichtige Fakten hinsichtlich der Feuersbrunst gestoßen und können diese nun belegen": Die Bremsanlage der Zuggarnitur seien mit Tanks der Firma Hydac ausgerüstet gewesen, die im Zuge der Katastrophe explodiert wären und mit "ihrer Brandlast und Explosionswucht eine ungeheure Zerstörung ausgelöst haben".

In keinem der Gutachten bei Verfahren in Österreich werde darauf hingewiesen, dass es durch diese Tanks im Tunnel zu massiven Explosionen gekommen sei, so Witti. Die Anwälte könnten derzeit noch nicht beurteilen, "inwieweit diese Tatsache lediglich übersehen wurden oder andere Hintergründe dafür gegeben sind". Außerdem werde gerade überprüft, warum "die Auffindungsliste der Toten im Tunnel erstaunlicherweise gerade dort freie Stellen hat, wo die Tanks in der Zuggarnitur explodiert sind", schreibt der Advokat an Schwarz.

Ein neues US-Anwaltsteam um Ed Fagan sowie seine beiden österreichischen Kollegen Herwig Hasslacher und Gerhard Podovsovnik schließen nicht aus, dass möglicherweise durch die explodierenden Tanks den Opfern der Brandkatastrophe der Fluchtweg nach unten versperrt worden ist und ihnen keine andere Möglichkeit geblieben sei, als nach oben - in den Tod - zu laufen. "Hätten hier nicht zahlreiche Menschen überleben können, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten nach unten zu laufen?," stellen die Anwälte die Frage.

Angesprochen wird in der Mitteilung an die StA Heibronn auch noch, dass im Jahr 1994 gegen Hydac in Deutschland ermittelt wurde, was damals einen Skandal ausgelöst hatte (Kartell zwischen Mannesmann und Hydac bzw. Bosch Rexroth, Anm.). Es liege die Vermutung nahe, dass die Tanks zu überhöhten Preisen gekauft wurden. Weiters sei nicht auszuschließen, dass Tanks in der gleichen Preisklasse möglicherweise einen längeren Zeitraum der Hitze im Tunnel widerstanden hätten und es wäre erst Minuten später zu den verheerenden Explosionen gekommen, so Hasslacher und Podovsovnik. (APA)

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