Crashtest: Neue Vorschriften für Lkw bei Unfall mit Pkw kaum wirksam

31. Oktober 2006, 10:57
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ÖAMTC: "Gut gemeinte" Änderungen der EU bringen nichts

Wien - Unfälle Pkw gegen Lkw enden meist tödlich für den Schwächeren. Daran ändert dem Ergebnis eines Cash-Tests des ÖAMTC zufolge auch eine für kommendes Jahr geplante EU-Norm nichts, die Insassen eines Pkw im Fall eines Heckaufpralls auf einen Lastwagen besser schützen soll. "Diese gut gemeinten Änderungen greifen nicht", kritisierte der Club nach dem Test.

"Der Schutz für die Insassen verbessert sich durch die Normveränderung im Vergleich zu früher nicht. Das Überleben der Pkw-Insassen hängt bei einem Crash vom Zufall ab", so ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Bei dem Test versagte nicht nur der Lkw-Unterfahrschutz, auch die Airbags konnten nicht verhindern, dass die Insassen mit dem Kopf gegen das Heck des Lkw schlugen und dadurch höchst wahrscheinlich tödliche Verletzungen erlitten hätten.

Bei den Testszenarien wurde zunächst die Wirksamkeit eines Unterfahrschutzes, der der neuen EU-Norm entspricht, geprüft. Dabei ließen die Tester einen gängigen Kompaktwagen mit 56 km/h gegen ein Lkw-Heck mit Unterfahrschutz prallen. Bereits kurz nach dem Anprall des Fahrzeuges versagte der Schutz völlig. "Das größte Problem ist, dass der gesamte Heckunterfahrschutz den auftretenden Belastungen nicht stand hält und beim Unfall nach vorne klappt", so Kerbl.

Ein besseres Ergebnis brachte der zweite Crashtest mit einem optimierten Unterfahrschutz, der es ermöglichte, dass die Fahrgastzelle des Pkw dem Unfall Stand hielt. Sicherheitsgurte und Airbags sorgten dafür, dass die Belastungen der Insassen auf relativ niedrigem Niveau blieben. "Der Test hat gezeigt, dass es mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln möglich ist, die Sicherheit für Pkw-Insassen deutlich zu verbessern", erläutert der ÖAMTC-Experte.

Grenzwerte deutlich zu gering

"Die Grenzwerte in der neuen Zulassungsnorm für Unterfahrschutz-Systeme sind deutlich zu gering. Die Belastungskräfte sind so niedrig gewählt, dass sie in der Realität von einem Pkw bei einem Unfall schnell überschritten werden", kritisierte der ÖAMTC. Der Unterfahrschutz müsste stabiler ausgelegt und so nah wie möglich am Heck des Lkw montiert werden. "Außerdem muss die zulässige Höhe des Unterfahrschutzes reduziert und auf typische Höhe von Pkw-Stoßstangen angepasst werden. Ein auffahrendes Fahrzeug kann mehr Energie abbauen, je voller es getroffen wird", warnte der Club.

"Der Gesetzgeber ist gefordert, die geplanten Normänderungen auf Grund der erzielten Erkenntnisse im Sinne der Fahrsicherheit anzupassen", verlangte der ÖAMTC-Experte. (APA)

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