Fall Swarovski: Angeblicher Drahtzieher bereits länger in Haft

29. Oktober 2006, 19:03
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Wegen Mordversuchs und wegen mehreren Einbrüchen verurteilt - Noch viele Ungereimtheiten: "Das Ganze ist unstimmig"

Wien/Innsbruck - Der Fall rund um den Plan, die Unternehmerin Fiona Swarovski zu entführen, scheint geklärt: Nach dem mutmaßlichen Drahtzieher musste die Polizei nicht lange suchen, dieser sitzt bereits wegen Mordversuchs und wegen mehreren Einbrüchen in einem oberösterreichischen Gefängnis. In seiner Zelle fand die Polizei am Freitag mehrere Handys und einen Computer, sagte der Sprecher des Bundeskriminalamtes (BK), Gerald Hesztera, am Samstag der APA.

Der 39-jährige Rumäne soll einen österreichischen Mithäftling als Komplizen für die Entführung angeheuert haben. Der 37-jährige Werner F. hat daraufhin auf einer Notiz die Behörden über die Pläne von Steliza S. informiert.

Plan

Der Rumäne und der Österreicher hatten einander vor einiger Zeit im Gefängnis in Innsbruck kennengelernt. Steliza S. saß wegen Einbruchsdiebstählen und Mordversuchs, weil er bei einem seiner Taten von einer 80-Jährigen überrascht wurde und diese niederschlug. Werner F. musste ebenfalls wegen Einbruchsdiebstählen in Innsbruck eine Haftstrafe verbüßen. Während dieser Zeit soll laut Werner F. der Rumäne den Österreicher als Komplizen für die Entführung angeworben haben. Der Plan war, nach Kitzbühel zu fahren und in die Häuser von Swarovski und dem Modezaren Werner Baldessarini einzubrechen. Sollte einer der beiden zu Hause anwesend sein, hätten man sie entführen wollen.

Nach der Verlegung von Steliza S. nach Garsten in Oberösterreich dürfte dem Österreicher die Sache zu heiß geworden sein, er informierte die Behörden über die Pläne. In der Notiz von Werner F. waren allerdings nur dürftige Informationen enthalten. Er meinte nur, dass der Drahtzieher sehr gewaltbereit sei. Auf Grund dessen sah die Polizei eine Gefährdungslage, Personenschutz für die Familie Grasser-Swarovski wurde angefordert.

Widersprüche

Erst am gestrigen Freitag war der Polizei laut Hesztera bekannt, um welchen Mithäftling es sich handelt. Daraufhin wurde die Zelle des Rumänen durchsucht und zur Überraschung der Beamten einige Handys und ein Computer gefunden. Zusammen mit beschlagnahmten Unterlagen werden diese Dinge nun ausgewertet, sagte Hesztera. Steliza S. selbst leugnet, etwas mit dem Entführungsplan zu tun zu haben.

Dennoch gibt es laut Hesztera noch viele Ungereimtheiten. Der Plan der Entführung wirft noch einige Widersprüche auf. So geht es den Ermittlern in Tirol und beim Bundeskriminalamt um die Frage, warum ein Rumäne einen Österreicher, der noch zwei Jahre hinter Gitter sein muss, für eine Entführung anheuert, die noch heuer stattfinden hätte sollen. Weiters hat Werner F. keinen Führerschein, hätte aber zu einem Treffen nach Salzburg fahren sollen. Laut dem Österreicher hätte Steliza S. ihm einen Chauffeur besorgt. "Das Ganze ist unstimmig", meinte Hesztera. Jetzt geht es darum herauszufinden, ob dieser Plan umsetzbar gewesen wäre oder ob es sich bei dem Ganzen um "Gefängnisfantasien" handle, sagte der BK-Sprecher. (APA)

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