Herausforderer Alckmin punktete mit Korruptionsvorwürfen gegen Lula

30. Oktober 2006, 13:50
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Wirtschaftsliberaler jagte brasilianischem Präsidenten in erster Wahlrunde viele Stimmen ab

Brasilia - Der von Unternehmern favorisierte Geraldo Alckmin hat in der ersten Runde der brasilianischen Präsidentenwahl Amtsinhaber Luiz Inacio Lula da Silva überraschend viele Stimmen abgejagt. Zwar verweigerten besonders die zahlreichen Armen Brasiliens dem Kandidaten der Partei der Brasilianischen Sozialdemokratie (PSDB) ihre Gefolgschaft. Bei der Abstimmung Anfang Oktober stimmten dennoch knapp 42 Prozent für den Wirtschaftsliberalen Alckmin - und damit deutlich mehr als es die damaligen Umfragen vermuten ließen. Da Lula die absolute Mehrheit knapp verfehlte, kommt es am Sonntag nun zu einer Stichwahl.

Wähler-Strafe für Korruptionsskandale

Offenbar straften die Wähler den populären Linkspolitiker Lula für eine Reihe von Korruptionsskandalen ab, auf die der 53-jährige Alckmin im Endspurt des Wahlkampfs erfolgreich gesetzt hatte. Untersuchungen gegen Lula und dessen mittlerweile entlassenen Wahlkampfleiter wegen einer angeblichen Schmutzkampagne nutzten dem Herausforderer mehr als zunächst gedacht. Auch die Fälle von Bestechung mehrerer Parlamentsabgeordneter durch die Regierungspartei PT scheinen ins Gewicht gefallen zu sein.

Bei der Stichwahl geht Lula dennoch als klarer Favorit ins Rennen: Letzten Umfragen zufolge kann der Präsident mit mehr als 60 Prozent der Stimmen rechnen, während Alckmin unter 40 Prozent liegt. Dass also zahlreiche Brasilianer Lula offenbar trotz der Vorwürfe mehr vertrauen als dem gelernten Arzt Alckmin, liegt vor allem an Lulas Sozialpolitik und der Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre: So verdienen die Brasilianer heute mehr als 2003, zudem ist die Arbeitslosigkeit gesunken. Viele Bürger machen Alckmin als früheren Gouverneur von Sao Paulo zudem für die gravierenden Sicherheitsprobleme der Millionenmetropole verantwortlich.

Im Gegensatz zu Lula betont Alckmin mehr wirtschaftliche Aspekte. So kündigte er neue Freihandelsverträge und eine durchgreifende Öffnung der Wirtschaft an. Insgesamt will Alckmin an der liberalen Wirtschaftspolitik Lulas jedoch nicht viel ändern - und sie mit besonderer Berücksichtigung sozialer Belange fortsetzen. Ob er die Gelegenheit dazu bekommt, wird sich bei der Stichwahl am Sonntag zeigen. (APA/Reuters)

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