Erneut Krawalle in Pariser Vorstädten

31. Oktober 2006, 17:47
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Maskierte verübten Brand­anschlag auf Bus - Autos mit Steinen beworfen - Angst vor Wiederholung der Unruhen vor einem Jahr

Der "heiße Herbst" in den französischen Banlieues bleibt heiß: In Nanterre westlich von Paris haben am Mittwochabend vermummte Jugendliche einen Vorortebus gestürmt und Benzin auf den Sitzen verschüttet, ehe sie das Fahrzeug anzündeten. Die Passagiere konnten sich in letzter Sekunde retten. Die Polizei traf zu spät ein, um einschreiten zu können.

In Grigny, südlich der französischen Hauptstadt, wo bereits am Sonntag ein Linienbus in Flammen aufgegangen war, griffen Unbekannte in der Nacht auf Donnerstag erneut einen Autobus an. Die Polizei verhinderte aber eine weitere Brandstiftung. Im Departement Essonne, wo sich diese Vorfälle ereigneten, verkehren Busse in den "heißen" Quartieren nicht mehr nach Einbruch der Dunkelheit.

Jahrestag

Die Polizeibehörden sind vor dem Wochenende im Alarmzustand. Am Freitag jähren sich die Banlieue-Unruhen, die vom 27. Oktober 2005 an drei Wochen lang Frankreich in Atem gehalten hatten. Verursacht durch den Unfalltod zweier von der Polizei gesuchter Schüler hatten die Krawalle mit fast 10.000 ausgebrannten Fahrzeugen sowie 300 teils oder ganz zerstörten Schulen, Sportstätten, und Verwaltungsgebäuden geendet.

Laut dem Inlandsnachrichtendienst könnte ein kleiner Zwischenfall genügen, um eine massive Breitenwirkung auszulösen. An diesem Wochenende wird sich zeigen, ob zum Beispiel die Attacken auf Busse zu einer neuen "Banlieue-Mode" werden. Seit einer Woche haben sich auch die Attacken auf die Polizei gehäuft. Innenminister Nicolas Sarkozy verlangt nun, dass Vergehen gegen Polizisten härter geahndet werden; die Delinquenten sollen vor Geschworenengerichte kommen, wo sonst nur über Kapitalverbrechen geurteilt wird. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2006)

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    Der von Unbekannten attakierte Bus in Nanterre westlich von Paris brannte völlig aus.

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