"Zidane: 21st Century Portrait"

25. Oktober 2006, 20:35
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Faszinierender Film mit bedächtigem Soundtrack von Mogwai

Wien - 17 Kameras haben Fußballstar Zinedine Zidane vergangenes Jahr bei einem Spiel von Real Madrid auf Schritt und Tritt verfolgt, heuer in Cannes wurde der Film "Zidane. A 21st Century Portrait" von der Kritik bejubelt. Eigentlich hätte das filmische Porträt vom renommierten Künstlerteam Douglas Gordon und Philippe Parreno heuer bei der Viennale laufen sollen, doch die Bemühungen des Festivals waren nicht erfolgreich. Ob der Streifen überhaupt einmal in Österreich zu sehen sein wird, ist noch unklar. Am 3. November erscheint vorerst einmal der von Mogwai stammende Soundtrack zum Film (Pias, Vertrieb: edel).

Ihre Premiere feierte die ungewöhnliche Sportdoku im April im Rahmen der Art Basel. Zu sehen ist 93 Minuten lang nur Zidane, der von Kameras mit bisher nur von der US-Armee verwendeten, hochauflösenden Zoomobjektiven beobachtet wurde, kein anderer der Real-Stars kommt während des Meisterschaftsspiels gegen Villareal (1:2) ins Bild. Der Film verzichtet auf jeglichen Dialog, als Hintergrund-Musik dienen die Soundgebilde der schottischen Tonkünstler Mogwai. Diese haben in den zehn Tracks, die für das Soundtrack-Album noch einmal extra bearbeitet wurden, diesmal die typischen Noise-Elemente (wie etwa beim genialen Album "Mr. Beast") weitgehend ausgeblendet und die Bilder mit den passenden, fast mythisierenden Soundlandschaften unterlegt.

An seinem Mythos muss der beste Fußballer des vergangenen Jahrzehnts aber eigentlich ohnehin nicht mehr basteln. Nur rund sechs Wochen nach den begeisterten Kritiken für den Film in Cannes sorgte Zidane mit seinem Kopfstoß im WM-Finale gegen den italienischen Verteidiger Marco Materazzi weltweit für ungläubige Reaktionen und gleichzeitige Solidarisierung. Nicht nur in Frankreich wurde der Song "Coup de Boule" (Kopfstoß) zum Sommerhit, in Österreich nahmen sich dazu noch Peter Ahorner und die Strottern mit dem Lied "Mon Capitaine" ("Hat er gezüpft an deine Dessous, mon Zizou?") der tragischen Thematik an - schließlich war es das letzte Spiel in der Karriere des Ausnahmekickers.

Das Film-Porträt hat keine Mythisierung im Sinn, es zeigt Gesten, Bewegungen, Laufwege und Ballkontakte. Auf der Tonebene hört man das Publikum im Stadion, Zidane, wenn er mit dem Schiedsrichter streitet, Zidane, wenn er mit den Mitspielern schreit, Zidane als Star, Zidane als Arbeiter. Immer wieder Zidane - unmöglich, dass hier nicht trotzdem der Eindruck einer Heldenverehrung entsteht. Die Musik von Mogwai tut ihr Übriges - langsam und bedächtig bauen sich die Soundwände auf, die Tongebilde wirken zurückhaltend und dennoch durchdringend. Die Bilder dazu entstehen im Kopf, und spätestens bei Track 9 - "It would have happened anyway" - fühlt man sich wie neben Zidane im Stadion.

Mittlerweile wurde der Film vom Guggenheim Museum für 160.000 Euro in einer der insgesamt 17 entstandenen Versionen angekauft. In Frankreich lief "Zidane" im Verleih von UIP, dessen österreichische Dependance wird den Film aber nach Anfrage der APA nicht ins Kino bringen. Auch andere österreichische Verleihfirmen können Fußball- und Filmfreunden vorläufig nicht weiterhelfen, die Hoffnung ruht auf dem koproduzierenden TV-Sender Arte. Fußballfans, die sich nicht mit der Doku "Deutschland. Ein Sommermärchen" von Sönke Wortmann (ab 2.11. im Kino) begnügen oder auf Emir Kusturicas Maradona-Film warten wollen, können sich inzwischen auch den Soundtrack von Mogwai kaufen. Das Album "Zidane" holt die Stimmung der Kunst-Doku auf ganz eigene Weise ins Wohnzimmer. (APA)

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