Studierende klagen über "ungerechtfertigte" Preise fürs Öffis

8. März 2007, 11:23
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Laut VSStÖ ist das Semesterticket in Salzburg österreichweit das teuerste - mit Leistungsvergleich

Fast 100 Euro für ein Semesterticket – das finden Salzburgs Studierende zu teuer. Da die Stadt auch wegen der hohen Mietpreise wenig studierendenfreundlich ist, zogen einige von ihnen symbolisch in eine Buslinie. Verkehrsreferent Wilfried Haslauer erklärt sich zwar gesprächsbereit, kann die Forderungen der Studierendenvertreter jedoch nicht berücksichtigen.

Teuerstes Ticket

"Das Semesterticket ist in seiner Art das teuerste österreichweit", klagt Christoph Eder vom VSStÖ Salzburg. Zahlte man bis vor einigen Jahren noch 63 Euro, so müssen Studierende seit 2004 30 Euro mehr bezahlen. Dieses Semester wurde der Preis noch einmal erhöht, das Ticket kostet aktuell 99,80 Euro pro Semester. "Verglichen mit dem öffentlichen Verkehrsangebot in Salzburg ist das nicht gerechtfertigt", so Eder. Eine weitere Belastung sind seiner Meinung nach auch die hohen Mietkosten in der Mozartstadt, und die erst kürzlich eingeführten Gebühren für Sprachkurse.

"Wohnen im Bus"

Unter dem Motto "Wohnen im Bus" machten vier junge Leute deshalb am Semesteranfang auf ihre Situation aufmerksam: Die "Vier von der Linie 3" verbrachten zwei Tage im Bus, um ihre finanzielle Lage zu veranschaulichen. Laut Eder gab es von den meisten Fahrgästen positives Feedback. Anton Herbst vom Salzburger Verkehrsbund (SVV) lässt die Protestaktion jedoch kalt: "Die Verkaufszahlen sagen uns, dass der Großteil der Studierenden sehr zufrieden mit unserem Angebot ist." Die Beschwerden bezüglich des Preises könne er an einer Hand abzählen, so der Sprecher des SVV gegenüber derStandard.at/Uni. Nach Auskunft von Herbst wurden im Jahr 2002 2.430 Tickets verkauft, im letzten Jahr 5.698.

Teurer sei das Semesterticket deshalb geworden, weil es seit der Eröffnung der Fachhochschule in Urstein auch in den Umlandgemeinden gültig ist, erklärt Herbst. Dadurch hätten viele Studierende die Möglichkeit, eine Wohnung außerhalb der Stadt zu nehmen, und dadurch Mietkosten zu sparen. Außerdem sei das Ticket auch in den Semesterferien gültig.

Forderungen nicht berücksichtigt

Den Studierenden Salzburgs ist das jedoch nicht genug. "Wir haben bereits im Sommer unser Verbesserungsvorschläge mit dem Büro von Verkehrsreferent Haslauer diskutiert", so StudentInnenvertreter Eder. Damals habe man ihm und seinen KollegInnen versprochen, diese zu berücksichtigen. Zu den weiteren Forderungen zählte unter anderem, ein zusätzliches Preismodell für Studierende über 26 Jahren einzuführen. Laut VSStÖ müssen derzeit rund 6.000 StudentInnen den vollen Preis zahlen.

Dass die Forderungen nicht berücksichtigt werden konnten, begründet Robert Haimerl, Pressereferent vom Büro Haslauers, mit den Kürzungen für das Landesbudget 2007. "Haslauer hatte 450.000 Euro für die Förderung von Studierenden vorgesehen, was jedoch von SPÖ-Finanzreferent Othmar Raus abgelehnt wurde", berichtet Haimerl, ihm hätte die SPÖ-nahe Studentenvertretung die Verteuerung zu verdanken.

Lösung gesucht

Nach der Protestaktion im Bus war Haslauer zu Gesprächen mit der ÖH und dem VSSTÖ bereit, die allerdings zu keiner Lösung führten. "Aus unserer Sicht wird es in nächster Zeit leider keine Lösung geben, da der politische Wille bei den zuständigen Politikern einfach zu fehlen scheint", meint der Vorsitzende Michael Trinko. Als "letzten Versuch" will sein Kollege Christoph Eder Betroffene zu einer Podiumsdiskussion einladen, um doch noch eine Lösung zu finden. (lis)

  • "Wohnen im Bus - weil ich muss": Nicht nur Wohnen, sondern auch Bus fahren ist in Salzburg teuer.
    foto: vsstö

    "Wohnen im Bus - weil ich muss": Nicht nur Wohnen, sondern auch Bus fahren ist in Salzburg teuer.

  • Preistabelle: Semestertickets im Städtevergleich.
    grafik: öh salzburg

    Preistabelle: Semestertickets im Städtevergleich.

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