Forderungskatalog der Film- und Musikwirtschaft

25. Oktober 2006, 16:27
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Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie erstellte List für Regierung bezüglich Sicherung des Produktionsstandorts

Wien - Der Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie hat am Mittwoch in einer mehrjährigen Agenda der österreichischen Film- und Musikwirtschaft ihre Forderungen an die neue Regierung präsentiert. In Zusammenarbeit mit den Fachverbänden wurde ein Maßnahmenkatalog zur Sicherung des Produktionsstandorts Österreich entwickelt, über den auch bereits Gespräche mit SPÖ, ÖVP und Grünen geführt wurden. "Wir wollen nicht, dass wie im Jahr 2000 grundsätzliche Bekundungen im Koalitionsabkommen stehen, die dann aber nicht umgesetzt werden", sagte Fachverbandsobmann Danny Krausz mit einem Verweis auf die heutigen Koalitionsverhandlungen zum Bereich Kultur und Medien.

Während derzeit die Digitalisierung weltweit für eine Wachstumswelle im Film- und Musikbereich sorge, drohe Österreich wichtige Chancen zu verschlafen, warnte Krausz. Neben strukturellen Nachteilen als kleiner Inlandsmarkt sei man mit chronisch unterdotierten Förderungen, geringem Eigenkapital der Unternehmen und der Konkurrenz aus den neuen EU-Ländern konfrontiert. Um den Produktionsstandort nicht zu gefährden, seien rasche politische Maßnahmen nötig. "Es gibt einen Bedarf an österreichischem Content, das ist kein Nischenprodukt", betonte Michael Paul von der "paul und collegen Consulting Gmbh" mit einem Verweis auf den Erfolg etwa von Christl Stürmer oder von österreichischen Produktionen im ORF. Damit die Branche mehr aus ihrem Potenzial machen könne, müsse die Content-Wirtschaft gestärkt werden.

Steuerliches Anreizmodell

Zentrale Forderungen für die Filmwirtschaft ist dabei die Einrichtung eines steuerlichen Anreizmodells für private Investoren, wie es sich praktisch in ganz Europa durchgesetzt habe. Die Budgets des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) und des Fernsehfonds sollten verdoppelt und die Mittel des Bundeskanzleramts für den künstlerischen Nachwuchs- und Avantgardefilm von 1,2 auf 5 Mio. Euro erhöht werden, um das ÖFI zu entlasten. Auch das Film/Fernsehabkommen soll von 5,9 auf 15 Mio. Euro angehoben werden. Im Bereich der Verwertungserlöse will man alle Verwerter audiovisueller Inhalte zu einer Contentabgabe für die österreichische Filmwirtschaft verpflichten. Das betrifft insbesondere neben Telekommunikationsanbietern und Kabelbetreibern auch österreichische Privat-TV-Sender, die kein eigenes Produktionsvolumen anbieten, sowie die Einnahmen ausländischer TV-Sender durch österreichische Werbefenster.

Weitere Forderungen betreffen die rechtliche Position der Produzenten. Die Bündelung der Verwertungsrechte müsse beim Produzenten bleiben, dringend müsse sich die Politik auch mit der Problematik der mit der Digitalisierung verbundenen zusätzlichen Rechte-Nutzung beschäftigen, so Krausz. "Da muss es Bestimmungen geben." Im Bereich der Ausbildung wurde u.a. bereits ein Schulpaket geschnürt. "Da gibt es wirklich ein Defizit", betonte Fachverbands-Geschäftsführer Werner Müller.

Zum Maßnahmenpaket für die Musikwirtschaft zählen die Forderung nach einer Ausweitung der Aktivitäten des Musikfonds auf Verwertung/Tour-Support und die Anhebung seines Fördervolumens auf 1 Mio. Euro, die freiwillige Selbstverpflichtung der Sender zur Präsenz österreichischer Musik, die Ausweitung der Schutzdauer für Musikaufnahmen im Urheberrecht auf 95 Jahre und die Senkung der Mehrwertsteuer auf zehn Prozent für Bild- und Tonträger. Außerdem ist ein Paket zur Förderung von Exportmaßnahmen in Vorbereitung. (APA)

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