Schlafapnoe-Patienten als Risiko im Straßenverkehr

30. Oktober 2006, 10:00
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Um halbe Sekunde verzögerte Reaktionszeit: Atemaussetzer im Schlaf verdoppeln das Unfallrisiko am Steuer

Grenoble - Autofahrer, die unter Atemaussetzern im Schlaf leiden, haben ein doppelt so hohes Unfallrisiko wie Menschen ohne solche Beschwerden. So genannte Schlafapnoe-Patienten reagieren in Notfällen im Schnitt eine halbe Sekunde später als andere, wie französische Forscher bei Praxisversuchen auf einer Teststrecke bei Grenoble beobachtet haben.

Schon bei Tempo 40 verlängere sich der Bremsweg um 8,8 Meter, bei typischem Autobahntempo sogar um rund 18 Meter, berichteten die Wissenschafter im Fachblatt "The European Respiratory Journal" (Bd. 28, S. 1020). Die um eine halbe Sekunde verzögerte Reaktionszeit verdoppele damit die Gefahr einer Kollision.

Versuch

Die Gruppe um Stephanie Mazza vom Schlaflabor der Universitätsklinik Grenoble prüfte die Reaktionszeit von Probanden mit und ohne Schlafapnoe auf einer Auto-Versuchstrecke. Die Versuchsteilnehmer mussten dabei vor plötzlich auftauchenden Wasserwänden bremsen oder auf Anweisungen der Forscher reagieren. Dabei fuhren die Fahrer mit Schlafapnoe doppelt so häufig auf ein Hindernis auf wie die anderen.

Sauerstoffmaske schafft Abhilfe

Schlafapnoe, die zu Benommenheit am Tag führt, betrifft nach Angaben der Forscher vier bis sechs Prozent der Bevölkerung. Sie kann mit einer nächtlichen Atemmaske behandelt werden. Für einen Folgetest setzten zehn Schlafapnoe-Patienten drei Monate lang eine solche nächtliche Sauerstoffmaske auf. Tatsächlich waren bei ihnen in einem erneuten Fahrtest dann keine Unterschiede mehr zu Probanden ohne Atemaussetzer feststellbar, wie die Forscher berichten. Solche merklichen Behandlungserfolge könnten mehr Apnoe-Patienten zu einer Therapie bewegen, meinen sie.

Statistik

Schlafapnoe gilt auch als wichtigste Ursache für den Sekundenschlaf, noch vor unregelmäßiger Schichtarbeit, Drogen- und Alkoholkonsum. Ein Viertel aller tödlichen Unfälle werden auf das gefährliche Einnicken am Steuer zurückgeführt, auf Autobahnen sogar ein Drittel. (APA/dpa)

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