"Bauernsterben" hat sich verlangsamt

17. November 2006, 10:45
72 Postings

791 Landwirte haben ihre Höfe seit 2003 aufgegeben, fast 60 Prozent sind heute Nebenerwerbsbauern - Trend zu größeren Betrieben schreitet weiter fort

Wien - Das "Bauernsterben" der vergangenen Jahre hat sich massiv verlangsamt. Ende 2005 gab es gegenüber 2003 nur mehr einen leichten Rückgang von 0,4 Prozent - 791 Bauernhöfe haben seither zugesperrt. Die Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe habe sich bei 190.000 eingependelt, teilte die Statistik Austria am Mittwoch mit. Gleichzeitig sei die durchschnittliche Betriebsgröße von 39 Hektar auf 40 Hektar gestiegen.

Anfang Dezember 2005 gab es 189.591 land- und forstwirtschaftliche Betriebe in Österreich. Der überwiegende Teil, nämlich 95,6 Prozent aller Bauernhöfe, wird nach wie vor als Einzelunternehmen geführt. Nur rund 41 Prozent bzw. an die 74.500 Betriebe sind Haupterwerbsbauern. Der größere Teil, rund 106.800 Betriebe, werden als Nebenerwerbshöfe geführt. Das stärkte "Bauernsterben" fand in der Bundeshauptstadt Wien mit Minus 29,5 Prozent statt. Im restlichen Österreich gab es kaum nennenswerte Veränderungen in den vergangenen zwei Jahren.

Kleine Strukturen

Die österreichische Landwirtschaft ist nach wie vor kleinstrukturiert. Der Trend zu immer größeren Betrieben schreite aber weiter fort. Die Leitung der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe sei nach wie vor eine Domäne der Männer. Lediglich ein gutes Drittel (33,6 Prozent) der Bauernhöfe wurden von Frauen geführt, hieß es.

Der Großteil der Betriebe - rund 113.150 bzw. 59,8 Prozent - bewirtschafteten weniger als 20 Hektar Gesamtfläche. Im Jahr 2003 waren es noch 60,7 Prozent. Bei mehr als 8.000 Betrieben (4,2 Prozent) konnte eine Fläche von über 100 Hektar ermittelt werden, 2003 waren es erst 7.400 Betriebe (3,9 Prozent).

Betriebe mit 50 und mehr Hektar verzeichneten Zuwächse, während in den Kategorien unter 50 Hektar eine generelle Abnahme festzustellen ist. Mit einem Rückgang von 1.292 Betrieben (Minus 3,2 Prozent) war die Größenklasse von 10 bis 20 Hektar davon am stärksten betroffen, während die Größenklasse von 100 bis 200 Hektar mit einem Plus von 14,6 Prozent die relativ stärksten Zuwächse verzeichnete.

Die Bauern, die ihre Höfe als Einzelunternehmer betrieben, bewirtschafteten insgesamt 61,9 Prozent aller heimischen Flächen, wobei auf einen Haupterwerbsbetrieb durchschnittlich 40,3 Hektar und auf einen Nebenerwerbsbetrieb im Durchschnitt 15,8 Hektar entfielen. Rund 3,6 Prozent der heimischen Landwirtschaften (6.780 Betriebe) waren juristische Personen. Deren durchschnittliche Betriebsfläche lag bei 382,3 Hektar. Damit waren über 34,1 Prozent der Gesamtfläche in der Hand von Großbetrieben. Die 1.473 Personengemeinschaften mit einem Anteil von 0,8 Prozent an den Gesamtbetrieben Österreichs besaßen insgesamt 3,9 Prozent der bewirtschafteten Agrarflächen. Im Schnitt kamen auf eine Personengemeinschaft somit rund 204 Hektar.

60 Prozent sind Nebenerwerbsbauern

Die Anzahl der Haupterwerbsbetriebe ging im Vergleich zu 2003 um 6.029 Betriebe (Minus 7,5 Prozent) zurück, jene der Nebenerwerbsbetriebe nahm hingegen um 4.676 (Plus 4,6 Prozent) zu. Auch die Personengemeinschaften und Betriebe juristischer Personen legten im Vergleich zu 2003 um 302 (Plus 25,8 Prozent) bzw. 259 Betriebe (Plus 4,0 Prozent) zu.

Im Vorjahr waren 520.984 Menschen in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt und damit 24.428 Personen oder 4,9 Prozent mehr als noch 2003. Der Großteil der in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten (84 Prozent) sind weiterhin familieneigene Arbeitskräfte (437.809 Personen). Jedoch gab es hier einen leichten Rückgang um 1.791 Personen (0,4 Prozent).

Die familienfremden Arbeitskräfte wiesen ein Plus von 26.219 Personen (+46,0 Prozent) auf 83.175 Personen auf und bilden nun 16 Prozent der insgesamt in der Landwirtschaft Beschäftigten, was vor allem auf die Zunahme von Saisonarbeitern oder Erntehelfern zurückzuführen ist. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Landwirtschaft bleibt eine Männerdomäne, ein Drittel der Betriebe ist in Frauenhand.

Share if you care.