Was ist der Unterschied zwischen Einrichtungsberatung und Innenraumgestaltung? Die Antwort: Letztere kennt keine Grenzen - Von Christine Diethör
Jeder kennt das: Eine neue Wohnung, ein neues Haus soll bezogen werden. Vom abgewohnten Krempel hat man genug. Doch leider kann man sich nicht so recht entscheiden, welche Farbe die neue Couch haben soll, wie die Möbel aussehen sollen oder ob der gewünschte Tisch auf dem vorgesehenen Platz tatsächlich richtig steht.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist guter Rat gefragt - dies ist die glorreiche Stunde der Einrichtungsberater. Sie beraten bei der Auswahl der Möbel, sie suchen die Wandfarbe aus, sie empfehlen Vorhänge, ja sie machen sogar Vorschläge, mit welchen Accessoires die Räume ausgestattet werden sollen. Abgesehen von selbstständigen Innenarchitektinnen bieten die meisten großen Möbelhäuser diese Leistungen als Service an.
Beginn mit dem Konzept
Wendet man sich zu diesem Zeitpunkt jedoch an Architektinnen, ist es meist schon zu spät. Denn Innenraumgestaltung beginnt bereits bei der Konzeption der Räume und nicht erst bei deren Möblierung. Das heißt aber keinesfalls, dass nur Neubauten durch Innenraumgestaltung verbessert werden können. Auch bestehende Wohnungen und Häuser können adaptiert werden. Da kann es schon mal passieren, dass nicht tragende Wände versetzt oder entfernt werden, dass Durchbrüche hergestellt, Türen ausgetauscht und Bäder vergrößert werden. Oder anders gesagt: Um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen, ist es oft notwendig, die Grundrisse zu verändern und bauliche Maßnahmen zu setzen.
Natürlich sind solche Maßnahmen nur sinnvoll, bevor die Räume ausgemalt, das Bad fertig verfliest und die Böden tipptopp verlegt sind. Deshalb ist es wichtig, die Expertinnen frühzeitig einzubinden. Die rechtzeitige Befassung von Fachleuten mit der Innenraumgestaltung spart nämlich Geld und verhindert zudem, dass etwaige teure Arbeiten doppelt gemacht werden. Architekten übernehmen dabei die Einholung von Angeboten, überwachen die Ausführung der Arbeiten und prüfen die Rechnungen auf ihre Angemessenheit.
Der größte Vorteil ist jedoch die Verwirklichung eines Gesamtkonzeptes. Gute Raumgestaltung bedeutet, dass ein harmonisches Ganzes aus Raum, Material, Farbe, Beleuchtung und Mobiliar entsteht. Um es auf den Punkt zu bringen: Innenraumgestaltung ist mehr als das bloße Dekorieren eines Raumes mit Möbeln, Stoffen und allerlei Nippes. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.10.2006)