Filmkritiker-Preis an "Honor de Cavalleria"

25. Oktober 2006, 12:21
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FIPRESCI prämierte Debüt von Albert Serra - Direktor Hurch im Resümee: "Niveau gehalten oder gehoben und Interesse gesteigert"

Wien - Das Filmfestival Viennale geht heute, Mittwoch, Abend mit dem Abschlussfilm "A Prairie Home Companion" von Robert Altman und der Preisverleihung zu Ende. Neben Anja Salomonowitz, die für ihre fiktionale Doku "Kurz davor ist es passiert" den Wiener Filmpreis erhält, und Mirjam Kubescha, an die der "Standard"-Publikumspreis für "Balordi" geht, wird der Spanier Albert Serra für seinen Streifen "Honor de Cavalleria" den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik entgegen nehmen. Das gab Viennale-Leiter Hans Hurch auf der Abschlusspressekonferenz heute Vormittag bekannt.

"Honor de Cavalleria" ist eine wortkarge und melancholische Neudeutung des "Don Quichotte"-Stoffes. Der Erstlingsfilm des jungen Regisseurs sei in Cannes bei der internationalen Premiere auf großes Interesse, aber auch viel Unverständnis gestoßen, erzählte Hurch, "Ich halte den Film für eine sehr schöne und ungewöhnliche Arbeit und habe gemerkt, dass in Wien viele Leute den Film sehr geschätzt haben." Auch der Streifen von Salomonowitz sei "ein ungewöhnlicher, und sehr eigenständiger Film", dessen Auszeichnung ihn sehr freue, schilderte Hurch, "Balordi", ein Streifen über ein Männergefängnis in Volterra, sei "ein sehr schöner und für das Dokumentarfilmprogramm der Viennale repräsentativer, ja herausragender Film".

Interesse und Neugier der Leute groß

Die Zuschauerzahlen - 88.900 Besucher, Auslastungssteigerung von 77,6 auf 78,4 Prozent, 114 ausverkaufte Vorstellungen - waren bereits gestern bekannt gegeben worden. "Trotz der sehr anspruchsvollen Filme ist das Interesse und die Neugier der Leute groß", sagte Hurch, "Viele Festivals sind in die Breite gegangen, um mehr Zuschauer zu erreichen. Wir haben das Niveau gehalten oder gehoben und das Interesse gesteigert. Darüber freuen wir uns!" Besonders freute sich der Festival-Leiter darüber, dass das Dokumentarfilmprogramm das gleiche Interesse erreicht habe wie der Spielfilm. Hinter seinen Erwartungen sei das Tribute "Sisters Act" geblieben, das Tribute an Herbert Vesely sei mittel besucht gewesen, "oder eigentlich gut besucht, dafür dass es ein unbekannter Name ist."

Den Umstand, dass etliche Filme sehr rasch ausverkauft waren, was zu einer teilweisen Verärgerung des Publikums geführt habe, könne man kaum ändern, meinte Hurch: "Bei diesen Filmen würde es wenig ändern, wenn man eine dritte Vorstellung ansetzen würde. Es gehört zum vielleicht notwendigen Charakter eines Festivals, dass manche Sachen sehr schnell ausverkauft sind. Uns ist klar, dass das eine gewisse Unzufriedenheit nach sich zieht. Aber teilweise sind das ohnedies Filme, die bereits einen Verleih in Österreich haben."

Die nächste Viennale findet - zeitlich etwas nach hinten verschoben - von 19. bis 31. Oktober 2007 statt. "Durch diese Woche, die wir gewinnen, wird es uns hoffentlich gelingen, die Filme des Filmfestivals in Venedig besser im Programm berücksichtigen zu können", sagte Hurch. Die Serie der anschließenden Bundesländer-Besuche der Viennale, die heuer in Graz begonnen wird, soll nächstes Jahr mit Innsbruck, 2008 mit Salzburg fortgesetzt werden. (APA)

  • Andalusiens Don Qichotte, nun mit großteils katalanischem Blick  abstrahiert
    foto: viennale

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