Makabre Posen mit Totenschädel

27. Oktober 2006, 12:42
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Ermittlungen gegen sechs Soldaten - Zeitung veröffentlichte Fotos deutscher Soldaten, die aus dem Frühjahr 2003 stammen sollen

Berlin - Die makaberen Fotos von deutschen Soldaten in Afghanistan haben in Berlin einen Sturm der Empörung ausgelöst. Verteidigungsminister Franz Josef Jung kündigte eine unverzügliche Untersuchung der Vorgänge an. "Wer sich so verhält, hat in der Bundeswehr keinen Platz", sagte der Minister am Mittwoch in Berlin. Politiker aller Bundestagsparteien reagierten mit Abscheu und verlangten harte Konsequenzen. Die in der "Bild"-Zeitung abgedruckten Fotos zeigen Soldaten, die mit einem Totenschädel posieren.

Ermittlungen gegen sechs Soldaten

Nach dem Vorwurf wird gegen sechs namentlich bekannte Personen ermittelt. Bundesverteidigungsminister Jung sagte am Mittwochabend im ZDF, vier von ihnen seien inzwischen nicht mehr bei der Bundeswehr. "Bei zwei weiteren werden wir die entsprechenden Konsequenzen ziehen.".

Reaktionen: "Abscheu und Ekel"

Die afghanische Regierung hat sich schockiert über die Fotos einer Leichenschändung von Soldaten der deutschen Bundeswehr in Afghanistan gezeigt. "Ich war von Abscheu und Ekel ergriffen, als ich die Fotos sah", sagte Wirtschaftsminister Amin Farhang "Spiegel online" zufolge. "Das ganze Land ist schockiert von diesen Fotos, moralisch ist diese Tat zutiefst zu verurteilen".

Farhang äußerte die Hoffnung, dass der Ruf der deutschen Streitkräfte in Afghanistan dennoch keinen Schaden nimmt. "Man darf den Vorwurf in keinem Fall auf die ganze Bundeswehr ausdehnen", sagte er, "das sind einzelne Soldaten einer Truppe, die uns fünf Jahre immer geholfen hat und einen exzellenten Ruf im Land genießt".

Proteste befürchtet

Für die kommenden Tage befürchtet der Minister der Kabuler Regierung von Präsident Hamid Karzai, dass die Bilder heftige und sogar gewalttätige Reaktionen im Land auslösen könnten. "Radikale Kräfte suchen geradezu nach solchen Situationen, um die Afghanen gegen die westlichen Truppen oder speziell gegen die Deutschen aufzuhetzen", warnte Farhang.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte ebenso wie die zuständigen Minister nachdrücklich den Zwischenfall. Außenminister Frank-Walter Steinmeier unterstrich, dass das "unverantwortliche und unentschuldbare Verhalten" der Soldaten dem Ansehen der Bundeswehr und Deutschlands schade. Der Vorgang sei zudem eine Beleidigung für die vielen tausend deutschen Soldaten, die im Ausland unter schwierigen Bedingungen einen herausragenden Dienst leisteten.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) drohte dienstrechtliche, disziplinarische und strafrechtliche Konsequenzen für den Fall an, dass sich die Anschuldigungen bestätigten. Er hoffe, dass der Vorfall nicht das Ansehen der Bundeswehr in Afghanistan beeinträchtige. Der Einsatz der deutschen Armee stoße dort auf breite Zustimmung in der Bevölkerung, betonte der Minister.

Weitere Aufnahmen

Die "Bild"-Zeitung berichtete, die Fotos stammten aus dem Frühjahr 2003. Das auf der Titelseite abgedruckte Foto zeigt einen Bundeswehrsoldaten, der einen Totenschädel hochhält. Auf anderen Fotos ist ein Schädel auf einem Panzer des Typs "Wiesel" und an einem Geländewagen zu sehen. Ein Bild zeigt einen Soldaten mit entblößtem Penis und Totenschädel. Die Aufnahmen sollen nach dem Bericht der "Bild"-Zeitung während einer Patrouillenfahrt unter dem Kommando eines Feldwebels entstanden sein. Auch zwei Stabsunteroffiziere seien beteiligt gewesen.

Ermittlung wegen "Störung der Totenruhe"

Wegen des Standortes des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow nahm die die Staatsanwaltschaft Potsdam Ermittlungen auf. "Wir ermitteln gegen unbekannt wegen Störung der Totenruhe", sagte Staatsanwaltssprecher Wilfried Lehmann.

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, bezeichnete die Bilder im ZDF-Morgenmagazin als "abstoßend und Ekel erregend". "Solche Leute können wir in unserer Armee nicht gebrauchen", sagte der Oberst. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, erklärte in "Bild", es könne nur eine Reaktion geben: "sofortige und schonungslose Aufklärung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln". (APA/AP/dpa/Red)

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    "Schockfotos" verkaufte die deutsche Boulevard-Zeitschrift "Bild" in ihrer Mittwoch-Ausgabe.

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    Auf diesem Foto sieht man Soldaten, wie sie mit einem aufgespießten Totenschädel auf ihrem Jeep posieren.

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