Für Plassnik ist Weihnachten nur ein Familienfest

25. Oktober 2006, 15:51
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Außenministerin gegen zwangsläufige Datumsfestsetzung - Von Leitls "Seufzer" über ÖVP am meisten verwundert

Wien - Außenministerin Ursula Plassnik (V) hat sich gegen eine "zwangsläufige Datumsfestsetzung" für das Zustandekommen einer Großen Koalition von SPÖ und ÖVP gewandt. In der Fernsehsendung "Report" des ORF meinte Plassnik auf den oft genannten Termin Weihnachten, dass das "im Grund ein Familienfest" sei, es wäre aber "einfach unseriös", jetzt Erwartungen oder Wünsche zu hegen. Was die bisherigen Verhandlungsrunden betrifft, "merkt man das Bemühen, aufeinander zuzugehen". Ob sie ausschließe, unter einem Kanzler Alfred Gusenbauer (S) weiterhin Außenministerin zu sein, beantwortete Plassnik damit, dass es ihr um Sachanliegen gehe.

Kritisch äußerte sie sich über die zuletzt aufgetretene Reformdiskussion mitsamt Obmanndebatte in der ÖVP. "Am meisten" habe sie sich dabei über die Forderung von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl nach jungen sympathischen Gesichtern gewundert. "Ich verstehe das als Seufzer. Wir haben alle gerne junge sympathische Menschen um uns". Aber Leitl sei auch im Parteivorstand dabei gewesen, als es darum gegangen sei, dass Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an die Spitze des Verhandlungsteams bestellt worden sei. Ob Schüssel möglicherweise als Vizekanzler in einer Großen Koalition weiter arbeiten würde? - Plassnik: "Ich bin nicht der Interpret Schüssels. Was mir in der Arbeit mit ihm sehr imponiert, ist, dass er das Prinzip Verantwortung lebt wie kaum ein zweiter".

Schüssel sei ein hartnäckiger, präziser, kompetender Verhandler. Deswegen könne sie sich gut vorstellen, dass "dieser Spitzenverhandler" durch entsprechende Zurufe aller möglicher Seiten geschwächt werden solle.

Im "Kurier" kritisierte Plassnik den "Slalom-Charakter" in der SPÖ in der Außenpolitik. So habe die SPÖ eine sehr kritische Grundeinstellung zu Europa erkennen lassen. Es könne allerdings trotz aller populistischen Versuche keine "Zugbrücke-Hoch-Politik" geben. Auch mit der Forderung mancher Sozialdemokraten und Gewerkschafter nach einer europäischen Sozialunion könne sie wenig anfangen. Es sei klar, dass die Kernbereiche der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik weiter national zu gestalten sind". (APA)

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