Gas auf – auf Gas Gas

26. Oktober 2006, 17:00
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Gas Gas bringt für 2007 einige Neuerungen bei den Modellen EC 250 und 300cc - Guido Gluschitsch führte die 250er äußerln

Jeder kennt die Leitners von BLM. Die Burschen haben mir ja schon die Ducatis nach Wien gestellt. Ganz oft hab ich da gehört: "Hast die von den Leitners?", was ich dann stets bejahte. "Die sind super, gell?" Na, was sollte ich sagen. Ich kannte sie nur vom Telefon. Klar, da waren sie alle zusammen sehr aufmerksam und freundlich. Aber ich kannte weder einen Leitner noch die Firma BLM.

Das hat sich der Wolfgang Leitner oder Mister L., wie ich ihn nenne, natürlich nicht zwei Mal sagen lassen. Er hat mich zu einer Firmenbesichtigung eingeladen. Mit Gas Gas-Test. Die neue EC 250cc ist nämlich gerade eingetroffen. Das hab wiederum ich mir nicht zwei Mal sagen lassen, hab den Graf Foto eingepackt und bin runter gefahren nach Bruck an der Mur.

Vor der BLM-Niederlassung stand schon ein Firmenwagen mit Hänger. Hinten drauf zwei Gas Gas Trials und jö, die Gas Gas 250cc. Da hab ich geschaut. Aber noch mehr geschaut hab ich, als mich der Mister L. (seine Freundin Eva hat er dabei nicht aus den Augen gelassen) dann in der Firma herumgeführt hat.

"Japisstenndu" würde die Frau Lektorin jetzt sagen. Gas Gas neben Ducati neben KTM neben Kawasaki neben Benelli neben BMW neben MotoMorini neben Malaguti und das alles neben unendlich viel Zubehör. Na sehen S’, da hätten S’ auch gschaut, hm? Ist aber noch gar nix. Die Werkstatt dort ist aufgeräumter als jedes Brockhaus. Und einen Prüfstand haben die Leitners auch. Ich glaub, mit denen muss ich’s mir gut stellen. Aber wenn S’ jetzt denken, dass es das war. Nüsse.

Hinter der Firma, in den Hang gebaut, steht eine pipifeine Trialanlage. Da brennt der Mister L. vermutlich nach dem Mittagsschlaferl aus der Werkstatt raus, über die Rampe rauf und hupft ein bisserl im Viereck. Obwohl, so gut wie Mister L. aufgelegt war, scheint er ohnedies nur Freudensprünge zu machen. Ich hab die Hupferei ja nicht so drauf (Das wäre aber ganz was Neues. Anm. d. Frau Lektorin), hab mich aber auch gleich sportlich betätigt (Das wäre aber ganz was Neues. Anm. d. Frau Lektorin).

Wo der Mister L. mit seiner Gas Gas herumkraxelt, war ich auf allen Vieren unterwegs und ganz stolz, die Betondinger so erklimmen zu können. Die Vogeltränke, an der ich mich gleich wasserspielend amüsierte, stellte sich übrigens als gemeines Hindernis heraus. Hinderlich für die Vogerln ist nämlich, dass der Leitner dort ganz normal durchfährt als wäre es die Bundesstraße zum großen Trialgelände, das den Leitners gehört. Dort brachten wir die Radeln samt Hänger und Auto hin. So was müssen S’ erst einmal vor der Haustür haben. Ich glaub, mit denen muss ich’s mir gut stellen.

Die Gas Gas EC 250cc ist mein erster Zweitakter – na gut, nach meiner KTM Pony, erinnern S’ mich nicht dran –, den ich fahre. Ein paar Kicks und trotz der kühlen Außentemperaturen springt sie gleich an. Gieriger Klang. Hört man ja heute nicht mehr. Aufgeregt knattert der Einzylinder vor mir. Herausfordernd. Gerade zu rotzfrech. Dabei hab ich die Hosen eh schon voll (DAS ist jetzt nix Neues. Anm. d. Frau Lektorin). Kenne das Fahren auf losem Untergrund nur vom Erzberg und der BMW. Da ist das jetzt was ganz anderes.

Die Gas Gas bringt ja nur 100 kg auf die Waage, wirkt mit ihrer Sitzhöhe von 945 mm extrem hoch, weil sie so schlank ist. Außerdem wartet die EC 250cc im Modelljahr 2007 mit neu designten Plastics auf, hat einen Luftfilterkasten und eine Sitzbank mit Schnellverschluss. Ach ja, einen neuen Heckrahmen, Vertex-Kolben mit Spezialbeschichtung und eine noch feinere Abstimmung an der 45 mm Up-Side-Down-Gabel. Sogar die Kurbelwelle wurde besser gewuchtet. Weil ich das eh merkate. Aber ich stell mich der Herausforderung.

Während ich in die MX-Panier schlupfe, versucht Graf Foto dauernd, Bilder von mir in der Unterflatz zu machen. Mister L. lässt sich davon aber nicht abhalten, seine Gas Gas Trial zu laden und zu entsichern. Als Motivationsverabreichung für den Schreiberling wheelt er ein paar Kreise um denselben und die EC 250cc.

"Gemmas an?" fragt mich Mister L. und fährt vor mir die Strecke ab. Ich muss eh nicht erwähnen, dass ich ihm mit der EC 250cc fast nicht nachgekommen wäre, obwohl er mit der Trial fuhr. Der Mann hat Schotter im Blut. Ich hetze hinter ihm den Riegel rauf und runter. Dann lässt er mich ein paar Runden alleine fahren, während er über Baumstämme springt und mit der Trial besser Walzer tanzt als Toni Polster mit Marika Rökk. Ich glaub, mit dem muss ich’s mir gut stellen.

>>>Der Graf im Dreck

Die Gas Gas macht mir Spaß. Die Bremserei ist so fein zu dosieren, dass nicht einmal ich ein Problem damit hatte, mich vor dem Graf Foto einzubremsen, der auf einmal vor mir auf der Piste stand. Das wadenhohe nasse Gras schien ihm unangenehmer gewesen zu sein als der Freitod. "Mach was" ruft er mir freudig zu. Und ich denk mir, wenn ich da noch ein bisserl am Gas dreh, mach ich eh was – mir in die Hosen.

Aber der Graf kennt kein Erbarmen. Er findet jedes Schlammloch, schickt mich durch. Kein Hügel, über den ich nicht rauf und runter muss. "Was ist? Der Leitner fahrt das alles am Hinterradl!" Wenn ich jetzt die rechte Hand vom Lenker nehme, um dem Grafen eine Majestätische zu scheuern, lieg ich sicher auf der Pappen, denk ich mir und fahr gemütlich über die Kuppe. Meine Oma hätt sich kropfert gelacht, während sie mich mit ihrem Waffenradl herbrennt hätte.

Das hat die Gas Gas EC 250cc so wirklich nicht verdient. Feinste spanische MotoCross-Ware. Eigentlich wäre das alles mit dem Eisen ein Kinderspiel. Kurz überlege ich, wie ich meiner Frau, den Kindern und meinem Hund erklären kann, dass ich mir jetzt eine EC 250cc kaufe. Schweife dann aber mit den Gedanken wieder ab als ich den Graf Foto sehe, wie er sich vor mir im Dreck wälzt.

Jetzt zeig ich es ihm. Ich zeig ihm, wie gut ich abseits der Straße bin. Zeig ihm, wie gut die Gas Gas geht und geb Gas. Mir zeige ich, wie der Hinterbock am losen Untergrund durchdreht. Ich scheppere knapp am Graf Foto vorbei. Den Anstieg hoch, oben ums Eck, die Mulde runter, immer schön am Gas der Gas Gas. Jetzt die Rechtskurve. Perfekt. ÖHA! Die Rechtskurve warat schon aus, eigentlich.

Doch bevor ich mich dazu entschließen kann gerade aus zu fahren, pfeffere ich die EC 250cc in den Wald, dass nur so der Rauch aufsteigt. Ein Glück, dass der Graf Foto mit dem Nachschurln noch nicht fertig war, als ich wieder auf dem Eisen sitze. Keine Brezenfotos.

Reumütig fahre ich zu Mister L.. Keine Kapern an den Stiefeln, aber Blumen hätte ich ihm mitgebracht. "Na, des hob ich schon kommen gsehen wie du ums Eck gepledert bist, dass sich das nicht ausgeht.", klärt er mich auf. Und dabei wollte ich’s mir doch nur gut mit ihm stellen. (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Wolf-Dieter "Graf Foto" Grabner, derStandard.at, 25.10.2006)

Gas Gas EC 250

Preis: EUR 6.995,-

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Zweitakter. Hubraum: 249,3 ccm. Kickstarter. Zündung: Kokusan digital CDI, per Lenkschalter verstellbar. 6-Gang-Getriebe. Antrieb Kette. Federung vorne: Marzochi USD 45 mm, voll abstimmbar, hinten ZF Sachs mit speparater Hi/Lo-Druckstufe. Bremsen: Je eine Scheibe vorne und hinten. Sitzhöhe: 945 mm. Trockengewicht: 102 kg, Tank 9,5 l.

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BLM

  • Eher kein Schotter im Blut: Gluschitsch und die Gas Gas EC 250.
    foto: wolf-dieter "graf foto" grabner

    Eher kein Schotter im Blut: Gluschitsch und die Gas Gas EC 250.

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