Tödliche Kunstfehler

29. Oktober 2006, 18:53
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In italienischen Spitälern sterben pro Jahr bis zu 50.000 Patienten durch Kunstfehler oder mangelnde Organisation

Rom - In Italien sterben täglich durchschnittlich 90 Patienten durch Fehler in der ärztlichen Behandlung. Diese Zahl wurde bei einem Medizinersymposium in Mailand genannt. Kunstfehler sowie organisatorische Probleme in den Krankenhäusern ziehen jährlich bis zu 50.000 Todesfälle nach sich.

Derartige Fehler kosten das Gesundheitssystem zehn Milliarden Euro pro Jahr. Dies macht rund ein Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts aus. Durch Ärztefehler kommen mehr Menschen ums Leben als durch Autounfälle, Herzinfarkte und einige Tumorarten. Jedes Jahr werden in Italien 25.000 Klagen gegen Ärzte und Spitäler eingereicht.

34.000 Patienten mit Kunstfehlern

"Arztfehler sind zur Sorge Nummer eins für die modernen Gesundheitssysteme geworden", sagte einer der Mediziner bei dem Treffen. In Italien werden jährlich acht Millionen Menschen in Spitäler eingeliefert. 340.000 Patienten verlassen die Krankenhäuser mit Schäden oder Krankheiten, die ausschließlich auf Kunstfehler oder auf fehlerhafte Dienstleistungen zurückzuführen sind.

Das Thema "Fehler im Spital" ist laut Angaben von Experten akut geworden, weil die Medizin immer technischer wird. 16,5 Prozent der Fehler werden von Orthopäden und 13 Prozent von Onkologen begangen. Eine hohe Fehlerquote wird auch bei Gynäkologen (10,8 Prozent) sowie bei Chirurgen (10,6 Prozent) gemeldet. Die Fehler passieren am häufigsten bei der Diagnose, 32 Prozent der Fehler werden im Operationssaal gemacht.

Strukturelle Schwächen

Doch Mediziner und Personal sind nur für 15 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Dem Bericht zufolge haben Mängel in der Organisation und Verwaltung der Spitäler, Probleme der Sicherheitssysteme und mangelnde Kommunikation zwischen den Ärzten die fatalsten Folgen. Zumeist seien Reaktionen auf Transfusionen, Blutverlust nach Operationen oder Komplikationen nach schweren Eingriffen schuld an den Todesfällen.

Italiens Gesundheitsministerin Livia Turco kündigte eine Untersuchung der Ursachen an. "Wir haben die Pflicht, die Sicherheit der Patienten zu garantieren", sagte die Ministerin. Sie will deshalb ein Komitee für den Schutz von Krankenhauspatienten einrichten. (APA, DER STANDARD Printausgabe, 25.10.2006)

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