Forschung auf "keinen warmen Sesseln"

30. Oktober 2006, 18:50
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Der erste "Busi-Talk" über Finanzierungsmodelle heimischer Biotech-Institutionen

Wer genug Geld hat, kluge Köpfe versammelt, hat Chancen auf gute Ergebnisse. So einfach wie dieses Erfolgsrezept klingt, so schwierig ist es umzusetzen. Davon konnten sich Zuhörer beim ersten "Busi-Talk" vergangene Woche am Vienna Biocenter überzeugen: Vertreter dreier Biotech-Forschungseinrichtungen am Campus erzählten von ihren Erfahrungen mit Finanzierungsmodellen.

Michael Krebs etwa, administrativer Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA), sieht die akademische Forschung von einem Kampf um knapper werdende staatliche Mittel geprägt. Also bemüht sich das IMBA neben öffentlichen Geldern auch um den "Bau einer Brücke" zu potenziellen Anwendungen für die Industrie. Grundlagenforschung in akademischer Freiheit muss sich, wenn sie von Firmen finanziert wird, Spielregeln auferlegen. Verhandlungssache sind vor allem Publikations- sowie Verwertungsrechte.

Komplizierte Verträge, die Bedürfnissen und Werten von Forschern und Verwertern entgegenkommen, werden vorab festgelegt und erfordern mehr Management. Als wertvoll erweist sich für das IMBA das Publikations- und Patentscreening des "natürlichen Partners" Boehringer Ingelheim, der auch das Recht zu ersten Verhandlungen über viel versprechende Ergebnisse hat. Ideen kommen oft aus dem eigenen Haus. Der Wettbewerb bläst aber auch intern beim IMBA: Verträge werden befristet vergeben und Erfolg evaluiert: "Hier sitzt keiner auf einem warmen Sessel", so Krebs.

Heribert Hirt, Gruppenleiter der Max F. Perutz Laboratories GmbH der Universität Wien, sieht die Biotech-Welt nicht ganz so globalisiert wie Kollege Krebs, weil seine "grüne Biotechnologie in Europa nicht mehr so erwünscht ist". Hirt arbeitet mit dem Pflanzenmodell Arabidopsis im Bereich genetischer Steuerung von Signaltransduktion, Stoffwechselprodukten und Stressreaktionen. Seine Gruppe ist internationaler besetzt, mit jungen Wissenschaftern aus Ungarn, Holland, Japan, Frankreich oder der Ukraine.

"Wenn Sie heute ein System verstehen wollen, brauchen Sie viele verschiedene Expertisen", sagt Hirt und betont die Wichtigkeit des Netzwerkens. Der Campus bietet ihm themenferne Inputs und die Möglichkeit, "wilde Ideen im eigenen System auszuprobieren". Bei der Finanzierung setzt Hirt auch auf Mittelstreuung. Der Wissenschaftsfonds (FWF) gehört zu den konstanten Gebern für Grundlagenforschung. In die Themenschwerpunkte der EU muss man hineinpassen, der Wiener Wissenschaftsförderer WWTF und das Forschungsprogramm GEN-AU sind hinzugekommen.

Forschen mit dem Geld anderer Leute

Walter Schmidt, Vorstandschef der Affiris GmbH, arbeitet auch "mit dem Geld anderer Leute", hat aber "keinen Haus- und Hofsponsor". Das Interesse des Biotech-Unternehmens gilt Impfstoffen gegen Alzheimer und Arteriosklerose. Affiris hat seit 2003 erfolgreich ein breites Spektrum an Geldmitteln aufgestellt: Seedfinanzierung des Austria Wirtschaftsservice (aws), Venture-Kapital aus einem Fonds, Projektgelder von Forschungsförderer FFG bis zum sechsten EU-Rahmenprogramm.

Seine Tipps könnten einem Elmayer für Start-ups entlehnt sein: persönlichen Kontakt früh pflegen, Partner auch nach Antragsbewilligung "anständig" behandeln und am Erfolg teilhaben lassen. (aku/DER STANDARD, Printausgabe, 25. Oktober 2006)

  • Damit die Petrischale von Biotechnologie-Unternehmen oder Forschungsinstituten immer mit Inhalten gefüllt ist, braucht es nicht nur Experten, sondern auch vernünftige Finanzierungsmodelle.
    foto: der standard/iamb

    Damit die Petrischale von Biotechnologie-Unternehmen oder Forschungsinstituten immer mit Inhalten gefüllt ist, braucht es nicht nur Experten, sondern auch vernünftige Finanzierungsmodelle.

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