Auf der Spur der Marsbewohner

30. Oktober 2006, 18:50
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Biologin erforscht Mikroorganismen auf Marstauglichkeit

Im Lauf der Jahrzehnte haben sich Vorstellungen von außerirdischem Leben stark gewandelt: Als die Viking-Sonden in den 1970ern die Oberfläche des Mars untersuchten, hoffte man längst nicht mehr auf grüne Männchen, sondern auf weniger spektakuläre Lebensformen: auf Mikroorganismen. Die Nachforschungen blieben jedoch erfolglos und danach wollte kaum noch jemand in diese Forschung investieren.

Der Umschwung kam 1996 mit einem vom Mars stammenden Meteoriten, auf dem bakterienähnliche Fossilien nachgewiesen wurden. Neueste Untersuchungen haben gezeigt, dass es auf dem Mars gesättigte Salzlösungen geben könnte, die einen wesentlich tieferen Gefrierpunkt als Wasser hätten. Diese müssten nicht als Oberflächen-Pfützen vorliegen, sondern könnten etwa in Gesteinsporen oder zwischen Mineralkörnern vorkommen. Das würde speziellen Mikroorganismen als Lebensraum genügen. Etwa Haloarcheen, die extreme Salzkonzentrationen lieben.

Mikrobiologin Helga Stan-Lotter (Uni Salzburg) gelang es, Haloarcheen aus 250 Millionen Jahre alten Salzablagerungen zu isolieren und zu vermehren. Unterstützt vom FWF kultivierte Stan-Lotter 60 Kolonietypen von halophilen Mikroorganismen aus Steinsalzbrocken aus den Bergwerken Bad Ischl und Altaussee. Analysen zeigten, dass diese mit bekannten Halobakterien verwandt, aber nicht ident sind: vermutlich neue Arten.

Winzige Flüssigkeitseinschlüsse

Wahrscheinlich überleben die Mikroorganismen in winzigen Flüssigkeitseinschlüssen, die sich in Steinsalz (Halit) bilden und konzentrierte Salzlösungen enthalten. Wie sie das machen, ist noch unklar. Denkbar wäre, dass sie einen extrem langsamen Stoffwechsel zur Aufrechterhaltung von Reparaturfunktionen haben und dass ihre DNA chemisch gegen Abbauprozesse geschützt ist. Die nötige Energie könnte von Spuren organischer Materie im Salz stammen, so die Flüssigkeitseinschlüsse mit den darin enthaltenen Bakterien im Lauf geologischer Zeitspannen wandern und die Haloarcheen so neue Weideplätze finden.

Das macht Halobakterien zu viel versprechenden Kandidaten bei der Suche nach extraterrestrischem Leben, zumal auf Meteoriten vom Mars oft Halit entdeckt wurde. Um herauszufinden, ob die Mikroorganismen auf dem Mars tatsächlich überleben könnten, setzt Stan-Lotter sie derzeit in einer Simulationskammer den atmosphärischen Marsbedingungen aus. (strn/DER STANDARD, Printausgabe, 25. Oktober 2006)

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