Messen-Masse in München

3. November 2006, 13:06
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München hat im deutschsprachigen Raum mit der Zahl zeitgleich stattfindender Messen eindeutig die Nase vorn - wenn auch mit unterschiedlichem (Qualitäts-)Anspruch

München - Die Größe der Messe muss stimmen. Das sei, so Peter Henrich, Geschäftsführer des Veranstalters der Kunst-Messe München, das Erfolgsrezept. Dazu kommt ein vielseitiges Angebot an Objekten und Sparten. Anders ausgedrückt hat die "Breite" in wenig gelungener Form bei der 51. Auflage (bis 29. Oktober) das Ruder übernommen.

Aus der Not - in den vergangenen drei Jahren hat sich eine stattliche Anzahl an Spitzenhändlern verabschiedet - macht man an der Isar eine Tugend. Mittlerweile wenden sich sogar Vorstandsmitglieder der KM Kunst-Messe München GmbH & Co KG anderen Veranstaltungen zuwenden. Die aktuellen Fremdgänger: Schlapka (München) ist gemeinsam mit 60 anderen Ausstellern ab 28. Oktober (bis 5. November) im Paulaner am Nockherberg anzutreffen. Bruce Livie gibt der Münchener Innenstadt und damit der exklusiven Runde der "Munich Highlights" den Vorzug.

Deutliche Worte findet Thomas Salis, einer von vier österreichischen Teilnehmern und seit Jahren Stammaussteller in München. 2005 gab er einen Klon, präsentierte sowohl bei den "Munich Highlights" als auch während der 50. Kunst-Messe München. Das Fazit zur aktuellen Auflage Letzterer: "Diese Veranstaltung hat man in den vergangenen fünf Jahren sukzessive an die Wand gefahren, Marktplatz ist das keiner", so Salis, der die Öffnungszeiten (bis 22 Uhr) ebenso kritisiert wie die längere Laufzeit. Kurzfristig wurde die Messe nämlich - auf Geheiß eines Gremiummitglieds, das allerdings dann selbst gar nicht ausstellte - um fünf Tage verlängert.

Salis hat nur ein sehr kleines Zeitfenster zwischen dem Abbau in München (29. Oktober) und dem Aufbau bei der Art Cologne (30. Oktober). Kommendes Jahr, so prognostiziert er, wird ohnedies alles anders, dann werden einige der aktuell in München ausstellenden Händler ab 31. Oktober 2007 anlässlich der Fine Art Fair in Köln weilen.

Organisatorische Hürden hat auch Erstaussteller Schütz zu bewältigen. Während Ehefrau Irene in München die Stellung halten wird, reist Josef Schütz nach Wien zum Aufbau seines Standes bei der Wiener Kunst- und Antiquitätenmesse (Palais Ferstel / Palais Niederösterreich). Mit München ist er sehr zufrieden, zwei Arbeiten Willy Eisenschitz' und ein Dobrowsky wechselten den Besitzer. Ein Blick auf die erste Zwischenbilanz zeigt eine starke Nachfrage nach Möbeln. Peter Mühlbauer (Pocking) trennte sich von einigen Objekten; u. a. von einer Michael Kimmel zugeschriebenen Dresd-ner Barockkommode. Die Upperclass des Kunsthandels ist derweilen zum dritten Mal in die Münchener Innenstadt gezogen. Was 2004 mit elf Händlern der Tefaf-Fraktion begann, hat sich etabliert. 2006 sind es 21 Kollegen: Bei Konrad O. Bernheimer haben sich wie zuvor Blumka, Bellinger, Laue und Tenschert eingefunden. Akzentuiert wird die Präsentation in der Briennerstraße mit einer Auswahl an Fotografie. Unweit davon gewährt Sabine Knust Gordian Weber Quartier, zusammen schafft man mit Topqualität eine stimmungsvolle Inszenierung - etwas, das auf Münchner Boden und vor allem auf dem Messegelände Riem keine Selbstverständlichkeit mehr ist. (Olga Kronsteiner/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.10.2006)

  • 11.500 Euro sind bei Fichter (Frankfurt) für dieses Trompe-l'Ril veranschlagt.
    foto: fichter

    11.500 Euro sind bei Fichter (Frankfurt) für dieses Trompe-l'Ril veranschlagt.

  • Koch aus Hannover zeigt in München diese Bronze von Georg Kolbe.
    foto: koch

    Koch aus Hannover zeigt in München diese Bronze von Georg Kolbe.

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