Kunst braucht Durchschlagskraft

24. Oktober 2006, 18:45
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Grazer Joanneum-Chef Peter Pakesch verlangt mehr "Wissen um Innovationen"

Graz/Wien - Noch während des Wahlkampfs hatten Peter Noever, Direktor des Museums für angewandte Kunst (MAK), und Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst, die Errichtung eines Ministeriums für Gegenwartskunst gefordert. In einem Memorandum hieß es dazu: "Wer sich auf die Erfolgsprodukte der Vergangenheit verlässt, ohne in Produkte von morgen zu investieren, steht bereits mit einem Fuß im Bankrott."

Peter Pakesch, Chef des Grazer Joanneums und des eigens für die Kulturhauptstadt 2003 errichteten Kunsthauses, bringt diese Forderung im Gespräch mit dem Standard auf eine persönlichkeitsbezogene Formel: "Ob eigenes Ministerium oder nicht. Jedenfalls ginge es um eine Person mit Durchschlagskraft."

Das allein aber reiche noch nicht, sagt Pakesch. Jemand, der sich innerhalb der Regierung für Gegenwartskunst stark mache, brauche "Wissen um internationale Entwicklungen und Innovationen im Kunstbereich". Dazu käme, was starke Persönlichkeiten stets ausgezeichnet hätte: "Das Wort ,gewähren lassen' ist bei guten Kulturpolitikern immer gefallen." Pakesch hält letztlich aber auch die Zeit des simplen Subventionierens für vorbei. "Wenn Museen überleben wollen, genügt das sowohl von der Politik als auch von den Medien geforderte Quotendenken nicht. Sie müssen eine neue Rolle als gesellschaftliche Handlungsfelder entwickeln."

Hieße das, die Suche nach Sponsoren zu verstärken? Das bleibe sicher wichtig, antwortet Pakesch, der vor seiner Rückkehr nach Graz die Kunsthalle Basel geleitet hat. Das neue Stichwort heiße "Partnerschaft: Nicht nur um Geld geht es, sondern auch um Vernetzung. International." Österreich habe nicht genug Zutrauen "zur eigenen Kunstgenossenschaft". Da könne letztlich ein Minister oder Staatssekretär helfen, wenn er stark sei, im Kunstgetriebe auch etwas gelte und die Veränderungen begreife: "Anfang des 20. Jahrhunderts stand noch das Tafelbild im Vordergrund. Heute geht es viel stärker um Kunst als temporäres Phänomen und als sozialer Prozess."

Für die künftige Kunstpolitik ist eine weitere Frage wichtig: Soll man Kunstkauf von der Steuer absetzen können oder nicht? Bei einer Diskussion im Kunsthaus Graz wurde gefordert, einen Steuerbonus auch für künstlerische Prozesse vorzusehen. (Gerfried Sperl /DER STANDARD, Printausgabe, 25.10.2006)

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