Polizeistatistik zeigt alltägliche Gewalt

27. Oktober 2006, 11:28
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Seit Jahresbeginn 76.898 Akte urbaner Gewalt registriert

Paris - Die Krawalle von Ende 2005 mögen abgeklungen sein - doch in Frankreich brennen weiterhin über 3000 Autos pro Monat. Laut Polizeistatistik wurden von Januar bis Ende September 31.514 Fahrzeuge angezündet.

Insgesamt wurden seit Jahresbeginn 76.898 Akte urbaner Gewalt registriert. Dazu zählen neben den abgefackelten Autos auch 20.080 brennende Abfalleimer und 4149 so genannte "Rodeos": illegale Vorstadt-Rennen mit zumeist gestohlenen Autos. Eingerechnet sind in die Statistik ferner 215 Bandenkämpfe und 4244 kollektive Angriffe auf Ordnungshüter. 2890 Polizisten wurden verletzt.

In den französischen Medien sorgen diese Zahlen kaum für Schlagzeilen. Das Ausmaß der Gewalt in den Vorstädten ("Banlieue") ist mittlerweile so groß, dass selbst Journalisten lieber wegschauen. Auch über spektakuläre Straßenschlachten mit der Polizei berichten Fernsehsender nur zurückhaltend - zum einen, weil die Kameraleute mittlerweile eine ebenso beliebte Zielscheibe wie die Polizisten geworden sind. Zum anderen aber auch, weil es viele Jugendliche aus den Vorstädten nur darauf anlegen, abends in den Nachrichten zu erscheinen.

Diese mediale Diskretion führt aber dazu, dass nicht nur die Gewaltexzesse totgeschwiegen werden: Auch ihre sozialen Hintergründe werden damit weit gehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt. (brä/DER STANDARD, Printausgabe, 25.10.2006)

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