Stadtkater und Bergriesen

3. November 2006, 13:06
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Zum siebten Mal wurde am Mittwoch der Internationale Medien und Architektur Preis Graz verliehen

Den Preis der Stadt teilen sich Doku-Legende Chris Marker und das Duo Armin Linke und Piero Zanini.


Graz - Ein gelber Kater schlich sich 2001 in die Straßen von Paris, um bald überall aufzutauchen: auf Mauern, Häusern oder in der Metro. "Monsieur Chat" eroberte die Stadt als Grafitto gewordenes Statement zu 9/11, den französischen Präsidentschaftswahlen oder zum Irakkrieg, von einem anonymen Kollektiv stets mit ©2006 signiert.

Der 85-jährige Dokumentarfilmer und Autor Chris Marker tauchte selbst immer wieder in der Geschichte Frankreichs auf: Er studierte bei Jean-Paul Sartre, unterstützte die Résistance, besuchte als Reisefilmer kommunistische Länder und drehte zur '68-Revolte unter anderem einen Film über Fabriksarbeiter, die selbst in die Filmproduktion eingriffen.

Marker blieb am Puls von Protestbewegungen und drehte die 2004 fertig gestellte Video-Doku Chats perchés (grinsende Kater), auf deren Pfoten geheftet er auch den Anti-Le Pen-Demonstrationen und jüngsten politischen Entwicklungen in Paris - die erst 2006 ihren Höhepunkt im Kampf gegen das CPE erreichten - ein Denkmal setzte. "Katzen sind niemals auf der Seite der Macht", stellt Marker fest, der nun den Medien und Architektur Preis Graz auch für die "jugendliche Frische" des Films erhält.

Gebaute Räume

Charlotte Pöchhacker, Direktorin von Artimage Graz und - neben Peter Weibel, Angelika Fitz, Francesca Ferguson und Berta Sichel - Teil der Jury, lobt im Gespräch mit dem Standard die hohe Qualität der rund 1600 Einreichungen. Viele zeigen, "wie man über gebauten Raum als sozialen und kulturellen Bereich nachdenken kann". Der Preis der Stadt Graz ging zu gleichen Teilen an Marker und das Film- und Installationsprojekt Alpi der Italiener Armin Linke und Piero Zanini. Wurden bisher Großstädte als Orte großer Veränderungen des Raums und seiner Bewohner medial kommentiert, zeigt Alpi dieses Phänomen in der gigantischen Alpenregion.

Auch der heute, Mittwoch, in der Neuen Galerie verliehene Preis der Kammer der Architekten und Ingenieurskonsulenten der Steiermark und Kärntens wird geteilt: Olivo Barbieri erhält ihn für Site Specific_Roma 04, der Rom aus der Vogelperspektive zeigt, und Alessandro Cassigoli und Dalia Castel für Bei Tempi, eine Doku, die zeigt, wie Palästinenser und Israelis im Alltag eine zwei Meter hohe Mauer überwinden konnten, bis sie eine achteinhalb Meter hohe Mauer voneinander abschnitt. (Colette M. Schmidt/ DER STANDARD, Printausgabe, 25.10.2006)

  • Subversive Pariser Grinsekater sind die Stars in Markers prämiertem
Film. Einer lauert in der Neuen Galerie.
    foto: neue galerie, © 2006

    Subversive Pariser Grinsekater sind die Stars in Markers prämiertem Film. Einer lauert in der Neuen Galerie.

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