Hubschrauber simuliert Satelliten

31. Oktober 2006, 15:58
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ESA-Auftrag an Joanneum Research - Steirische Wissenschafter untersuchen, wie sich Satelliten-Signale im Inneren größerer Gebäude ausbreiten

Wien - Wenn ein Hubschrauber des Bundesheers stundenlang den Millenniumstower in Wien umkreist, ist das keine Übung für den Ernstfall, sondern Wissenschaft: Der Hubschrauber simuliert dabei mit Hilfe eines Testsenders einen Satelliten. Im Inneren des Gebäudes messen Wissenschafter der steirischen Forschungsgesellschaft Joanneum Research (JR) wie sich die Signale aus dem Fluggerät im Inneren von Gebäuden ausbreiten. Die Forscher untersuchen im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA die Möglichkeiten von Satellitenkommunikation- und navigation im Inneren von großen Gebäudekomplexen.

In den vergangenen Tagen wurden mit Hilfe des Bundesheers Messungen an den Flughäfen Wien und Graz, in einem Shopping-Center in der Nähe von Graz, im Haus der Forschung in Wien sowie einem Einfamilienhaus durchgeführt, erklärte Erwin Kubista vom JR-Institut für Angewandte Systemtechnik Dienstag Nachmittag bei einer Pressekonferenz in Wien. Den Abschluss der Messkampagne bildet morgen der Millenniumstower.

Dabei kreist ein mit einem Testsender ausgestatteter Bundesheer-Hubschrauber für zwei bis vier Stunden in einer Entfernung von ein bis zwei Kilometern auf exakt vordefinierten Bahnen rund um das Gebäude und muss an bestimmten Punkten für etwa 30 Sekunden in der Luft stehen bleiben. Das erfordert von den Bundesheer-Piloten höchste Präzision. Ein Testempfänger misst in verschiedenen Bereichen des Hauses die Empfangsqualität und zeichnet die Daten auf.

Auftragswert 600.000 Euro

In Verbindung mit Information über Baupläne und verwendete Baustoffe erhalten die Wissenschafter dadurch verschiedene Ergebnisse, etwa mit welcher Stärke das Signal Wände oder Decken durchdringt und wie es von verschiedenen Oberflächen reflektiert wird. Weil sich Reflexionen etwa auch bei Schneedecke bzw. nassen Gebäude-Oberflächen ändern, sind noch weitere Messungen von ausländischen Partnerorganisationen in dem ESA-Projekt - Auftragswert für Joanneum: 600.000 Euro - notwendig.

Ziel des Projekts ist die Entwicklung von Simulationsprogramme, mit deren Hilfe die Qualität des Satellitenempfangs in Innenräumen genau vorhergesagt werden kann. Kubista schätzt, dass in etwa neun Monaten erste Rechenmodelle vorliegen werden. Ganz im Inneren von Gebäuden wird es sicherlich nie direkten Satelliten-Empfang geben, betonte der Wissenschafter.

Simulationsmodelle sollen aber Satellitenbetreibern bei der Planung helfen, etwa wie stark die Signale sein müssen, um zumindest teilweise Decken und Mauern zu durchdringen, bzw. wie viele Signal-Verstärker in einem Gebäude benötigt werden. Einsatzgebiete könnten etwa Satelliten-Navigation in großen Gebäuden oder auch Mobil-TV-Angebote sein. (APA)

Link
Joanneum Research:
Hubschrauber simulieren Testsender
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