"Das Angreifen und interaktive Erleben steht bei den zehn Stationen im Vordergrund. Wir zeigen, wie Netzwerke entstehen, welche Funktionen sie haben und wie sie sich verändern, im biologischen, sozialen, kommunikativen oder physikalischen Bereich", erläuterte Barbara Streicher, Geschäftsführerin des Zusammenschlusses von rund 40 Institutionen aus den Bereichen Wissenschaft und Kommunikation. Die Vielfalt der Partner spiegelt sich in deren Zugängen zum Thema, Bildschirme finden ebenso Platz wie Bienenwaben und Moleküle.
Für den Besuch eines Science Centers "braucht man kein Vorwissen. Besucher sollen lustvoll lernen, sich selbst mit einem Thema zu beschäftigen und in ihrem eigenen Tempo vorgehen", erklärte Margit Fischer, Gattin des Bundespräsidenten und Vorsitzende des Vereins, das Prinzip. Durch das Feedback der Besucher, die bewusst nach Alter und sozialem Hintergrund ausgesucht wurden, soll das Konzept nun weiter verbessert werden.
Zielgruppenorientiert
"Sind die giftig?" und "Bekommen die genug Luft?" waren häufig gestellte Fragen am Stand der Universität Innsbruck, wo Spinnennetze und ihre Erbauer im Mittelpunkt standen. Am Ars-Electronica-Center-Stand, der soziale Netzwerkanalysen visualisierte, war es vormittags ruhiger. "Das ist wohl nichts für junge Zielgruppen", meinte der Betreuer und freute sich auf Erwachsene am Nachmittag.
Margit Fischer hatte ihr Aha-Erlebnis 1993, an einem regnerischen Montag in der Science World in Vancouver. Weil alles andere geschlossen hatte, besuchte sie ein "Kindermuseum", wie die Gastgeber entschuldigend hinzufügten. "Es hat geknistert vor Dynamik, weil Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 19 selber Experimente durchführten. Und ich habe mich gefragt: Warum dürfen unsere Kinder das nicht?" Im August 2005 wurde schließlich der Verein gegründet und seit dem Frühjahr 2006 mit Partnern an der Premiere gearbeitet.
Keinen fixen Standort für ein Science Center zu haben, empfinden die Organisatoren heute als Vorteil. Synergieeffekte gelangen auch so: "Die Ausstellung ist mehr als die Summe ihrer Teile. Wir sehen eine große Offenheit in Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch zwischen den Partnern", sagte Barbara Streicher. Die Vision für 2007 ist eine ergänzte und ordentlich ausgeführte Ausstellung in Österreich auf Tour zu schicken.
Die bisher fehlende Basisfinanzierung ist auch der Grund, warum die Ausstellung nur einen Tag lang zu sehen war. "Die Stimmung ist sehr gut", freute sich Margit Fischer, "die Besucher sollen nicht hinnehmen, sondern hinterfragen." Ausgestattet mit der Kartonbrille einer Genderforscherin formulierte es eine junge Besucherin so: "Spinnen weibliche Spinnen mehr als männliche?" (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 25. Oktober 2006)
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